Zum Inhalt

Alpuch Posts

Familien am Klavier

Familien sieht man wirklich überall
das ist ein Massenphänomen
wie sie pöbelnd um die Häuser ziehen

Familien gehen nie die Gesprächsthemen aus
denn auf jedem noch so kleinen Treffen
können sie über die Dysfunktionalität anderer Familien sprechen

Familien machen alles zusammen
Alternativlos seit 2000 Jahren
an Küchentischen und unter Nordmanntannen
2000 Jahre lang, gemeinsam in den Urlaub fahren uff, darauf freu ich mich

Familie eine intensive Erfahrung
von der Wiege bis später zur Aufbahrung
Familie ein Erfolgsrezept
Kinder kommt nach Hause heut gibt es Schweinemett -> Lecker

Familien machen alles zusammen
Alternativlos seit 2000 Jahren
an Küchentischen und unter Nordmanntannen
2000 Jahre lang, gemeinsam in den Urlaub fahren uff, da kommt der Burnout früher als geplant

Meine Mutter ist meine Mutter und das bleibt sie auch
sie hört mir nicht zu, doch füllt mir meinen Schweinebauch
Und Opa, na Opa na, na was is mit Opa, na der sitzt da.
und denkt sich, na was denkt der sich eigentlich?

Meine Oma ist meine Oma und das bleibt sie auch
fluchend in der Küche, die halbe Schachtel aufgeraucht
Und Vati, Vati, Vati is im Garten macht Pilati
Nein er sitzt da und trinkt Bier, was soll das eigentlich alles hier?

Was soll das eigentlich hier? Muss das so ein, kann das raus?
Was soll das eigentlich hier? Sieht so das Fegefeuer aus?
Was soll das eigentlich hier?

Familien sind die Keimzelle dieser Gesellschaft
wie das funktioniert ist mir rätselhaft
Familien, das kann man ihnen nicht nehmen,
sind ein langfristig nicht sanierungsfähiges Unternehmen

Familien machen alles zusammen
Alternativlos seit 2000 Jahren
an Küchentischen und unter Nordmanntannen
2000 Jahre lang, gemeinsam in den Urlaub fahren uff, waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!

Share
Leave a Comment

Das zentrale Gut der deutschen Kultur

Fragt man den Deutschen ob seine Kultur jenseits von Sprache identifizierbar ist
verweist bspw. der Eichsfelder darauf, dass man nur deutscher ist, wenn man Kälberblase frisst.

Deutsche Kultur wird banaler, je konkreter sie wird
wer sich an ihr aufhängt wird GröFaz oder Wirt
oder auch gar nichts
oder er kommt vors Nationalgericht
Sauerkrautsuppe mit Eierstich

Lieber Deutscher die Lösung ist so nah
du hast ein immenses Kulturgut übersehn, wirklich wahr
Es ist die Antwort auf jedwede Frage
der Grund für des deutschen schönste Tage

Jeder kennt sie. Sie bedarf keiner Erklärung. Jeder vergöttert sie. Noch weit mehr als irgendeine Religion. Jeder will sie. Denn sie rettet dir den Tag, die Woche oder die nächsten fünf Minuten. Oder wie Goethe bereits sagte:

Die Glückswurst,
die deutscheste Wurst der Welt,
wer sie produziert ist ein Niebelungenheld
hergestellt aus besten deutschen Därmen
Gretchen vergisst ihre Frage vom ganzen Schwärmen.“

Das Deutscheste der Welt ist die Glückswurst,
die AfD bekommt Kampagnendurst
Denn die Glückswurst in ihrem Lauf,
hält weder Ochs noch Esel auf“

„Knackig wie Wiener, zart wie Bockwürste und würzig wie Frankfurter – Deutsche Glückswurst von Weidel. Weidel macht das Würstchen“

Share
Leave a Comment

Chemnitz und die Folgen(-losigkeit)

Seit der Stunde null in Chemnitz, seitdem der Rechtsradikalismus in Deutschland seine hässliche Fratze, seine nackten noch hässlicheren Ärsche und Tötungsabsichten gezeigt, seine Parolen gegrölt und Fahnen geschwenkt hat, ist es relativ ruhig geworden. Zumindest um das, was als Fanal in Chemnitz sichtbar wurde, nämlich, dass es in unserer Gesellschaft alltäglich geworden ist, dass sogenannte besorgte Bürger mit Rechtsradikalen auf die Straße gehen. Eine unheilvolle Verbrüderung, von der man eigentlich schon länger wusste. Die ganzen Pegidas und Legidas und Werweißnochgidas haben ihn doch bereits deutlich gezeigt, den Verfall demokratischer Kultur. Oder vielleicht eher noch: Deren deutliches Fehlen, all die vergangenen Jahre über, in denen man immer fetter wurde, der Wohlstand sich mehrte und eine politische Kultur scheinbar nicht notwendig war, bis es Bergab ging, Wirtschaftskrisen Verunsicherung erzeugten und prekäre Lebenslagen schufen. Man muss sich eigentlich nicht wundern, über das, was dort passiert, was dort marschiert ist. Genug Engagierte und Warner haben auf das Problem hingewiesen, während der öffentliche Diskurs mäanderte zwischen blinder Empörung, Verurteilung, kraftloser Argumentation, einer fehlenden Positionierung von Links und schließlich dem Bagatellisieren dieses Phänomens. Der Diskurs hat sich zusehends verschoben, wie Harald Welzer in einem polemischen und scharfsinnigen Kommentar feststellte1. Nach rechts. Zu einer öffentlichen Rede, in der menschenverachtende Aussagen wieder salonfähig sind. Mir ist ein Interview diesbezüglich in Erinnerung geblieben: Eine Demonstrantin wurde gefragt, auf welcher Idiogida-Veranstaltung auch immer (mir fällt es schwer das mittlerweile noch auseinanderzuhalten), was sich in den letzten Jahren verändert habe und diese Person brachte es auf den Punkt: „Man kann jetzt endlich seine Meinung sagen, ohne dass man gleich mundtot gemacht wird“. Wenn es doch nur fundierte Meinungen wären, die auf solchen Veranstaltungen geäußert werden. Vielmehr hat man den Eindruck, als wären diese Treffen große Pöbelpartys, auf denen man mal so richtig die Sau rauslassen, Merkel eine Volksverräterin nennen und ihr den Tod wünschen kann. Eine Mischung aus Emotion und Zelebrierung der freiwilligen Aufgabe eigener politischer und ethischer Verantwortung.

Nach Chemnitz ist es ruhig geworden, um eine eigentlich notwendige Empörung über das gemeinsame Marschieren von Antidemokraten und solchen, die behaupten doch noch welche zu sein. Stattdessen werden die Geschehnisse pauschal verurteilt oder pauschal entschuldigt. Für letzteres sind Ministerpräsident Kretschmer, natürlich – der Demokratieschreck – Horst Seehofer und sein treuer Untergebener Maaßen verantwortlich. Es ist unerträglich mit anzusehen, wie eine angebliche Partei der Mitte Verständnis für diese Aufmärsche formuliert und den Mob weiterhin als eine Ansammlung besorgter Bürger verbrämt. Andere Entschuldigungen beziehen sich auf die sogenannte Ostsozialisation, auf eine alleingelassene Bevölkerung, für die nach der Wende nichts mehr Sinn machte, was vorher Sinn machen musste, auf eine Bevölkerung, die im Wettstreit der Ideologien unter die Räder kam und vom marktbesessenen Westen ausgebeutet wurde. Manche dieser Hypothesen sind wichtig, manche sind in ihrer Pointierung so treffend, dass sie tatsächlich verständnisbildende Momente hervorrufen können, wie bspw. Wolfram Ette das Gefühl dieser besorgten Bürger umschreibt:

Die Entwicklung setzt sich aus drei Komponenten zusammen: dem Gefühl des Verlusts (Prekarisierung, mangelnde Wertschätzung, teilweise Demütigung); dem Gefühl, noch etwas zu verlieren zu haben (verglichen mit dem Rest der Welt sind wir reich und gehören zur Elite); dem Gefühl, dass der Traum vom Fortschritt, der Kommunismus und Kapitalismus einte, ausgeträumt ist. Es geht bergab. Angesichts dessen müssen wir sichern, was wir noch haben, Zäune und Mauern bauen und im Zweifelsfall all diejenigen verrecken lassen, von denen wir glauben, dass sie uns das, was wir noch haben, wegnehmen wollen.“2

Doch eilt im Moment, reflexhaft, das Verstehen der notwendigen Empörung voraus, dem Innewerden dieser politischen Katastrophe, dessen Oberflächenphänomen Chemnitz natürlich nur sein kann. Das Verstehen wird dadurch letztlich verstellt, es nimmt zwangsläufig einen entschuldigenden Charakter an, auch wenn man gelegentlich behauptet, nichts entschuldigen zu wollen. Die Zeit für das Verstehen ist noch nicht da. Wie will man jemanden verstehen, der mit Nazis auf die Straße geht und angesichts dieser Verquickung keinen zivilisierten Ekel entwickelt? Was soll man von Leuten halten, die als Experten der Ostdeutschen Seele bezeichnet werden3? Warum muss es eine spezifisch ostdeutsche Erzählung geben, um eine gesamtdeutsche Haltung zu entwickeln?

Auf der anderen Seite stehen die Pauschalurteile über den Osten, die verkommenen Strukturen der Staatsapparate von Regierung bis Polizei, die Provinzialität, den durch die totalitäre Staatsform lediglich unterdrückten und dadurch gemächlich keimenden Rechtsradikalismus, der natürlich nur ein Ostphänomen sein kann. Hier ist ein zweiter Reflex offensichtlich, im besten Fall auf einen Schrecken, den man die ganze Zeit unterschätzt, der sich jedoch nun noch einmal ganz deutlich, unübersehbar gezeigt hat und den man lediglich mit Automatismen zur Selbstberuhigung bewältigen zu können glaubt. Im schlechtesten Fall sind diese Urteile Ausdruck jahrzehntelang gepflegter Ressentiments gegen die „zurückgebliebenen Ossis“. Von gesellschaftspolitischer Vernunft scheint auch hier nur wenig übrig zu sein.

Dementsprechend ist es ruhig geworden, nach Chemnitz, im Rauschen dieser beiden Öffentlichkeitsreflexe, zwischen Urteil und Entschuldigung. Alles geht seinen gewohnten Gang. Die große Scheindebattenmaschine ist wieder angelaufen, verbreitet Infohäppchen mittels Bits und Bytes, reißt Themen oberflächlich an, bis sie am nächsten Tag schon wieder langweilig sind. Seehofer ernennt Maaßen zum Staatssekretär, wodurch das absurde politische Theater einen neuen, ungeahnten Höhepunkt erreicht4. Debatten finden in abertausend virtuellen Kanälen statt, in Filterblasen und erzeugen keine Resonanz, kein verbindendes Moment. Das tatsächliche Problem, die augenscheinliche Gefahr von rechts, bleibt unter dem ganzen Tosen verborgen, scheint auf irgendeine verquere Art und Weise nicht mehr adressierbar.

Die Kommunikationsstrukturen sind zu schnell geworden für ein tatsächliches Begreifen und ein tiefergehendes Diskutieren. Internetplattformen wie Youtube dienen der ungestörten Radikalisierung5. Ein Umstand, mit dem sich unsere Gesellschaft auf lange Sicht beschäftigen muss. Und aus dem heraus sich wichtige Fragen ergeben: Wie wird eine Debattenkultur wieder möglich? Wie wird politisches Bewusstsein für die Mehrheit dieses Landes und wie ist ein gemeinsamer Konsens, den es anscheinend nicht mehr gibt (dieser lautete zumindest jahrzehntelang: keine Verbrüderung mit Rechtsradikalen), wieder möglich? Wie bringt man die Bürger dieses Landes wieder zu politischem, gemeinsamem Handeln? Welcher Geistesblitz muss durch diese Gesellschaft gehen, damit ihre Pluralität und Diversität als Stärke erkannt wird? Und natürlich auch: wieso ist die Zivilgesellschaft derzeit so leise und findet keine deutliche Gegenposition zum Rechtsradikalismus?

Eine Vermutung: Wie auch immer diese Antworten aussehen, sie benötigen Zeit und kein schnelles Reagieren. Reflexion statt Reflex. Und viele Gespräch. Am besten persönlich. Sie bedürfen eines Grundkonsens zu einer demokratischen Kultur und die Distanzierung – vor allem – von besorgten Bürgern zum rechtsradikalen Lager6. Sie bedürfen ebenfalls einer Diskussion über den globalisierten Kapitalismus, dessen unheilvoller Verschmelzung mit der Digitalisierung, den daraus folgenden ökologischen Katastrophen7 – Themen, die im öffentlichen Diskurs m.E. bisher lediglich marginal behandelt werden. Und sie bedürfen ebenfalls einer ganz individuellen Anstrengung jedes Bürgers, ein Nachdenken über die eigene politische und ethische Existenz, wie man Verantwortung über sein Handeln im politischen Raum zurückgewinnen und erfolgreich verteidigen kann. So, zumindest meine Vermutung.

  1. Nachzulesen auf: https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-08/rechtsruck-gesellschaft-rechte-hetze
  2. Der Freitag, Nr. 35, 30. August 2018, „Eine Macht, kein reiner Mob“ von Wolfram Ette
  3. An dieser Stelle sei auf ein hanebüchenes Interview verwiesen, in dem der Psychotherapeut Hans-Joachim Maaz sowohl die Komplizenschaft mit Rechtsradikalen relativiert als auch die ostdeutsche Bevölkerung in eine umfassende Opferrolle argumentiert. Nachzulesen hier: http://www.lvz.de/Region/Mitteldeutschland/Die-Kritiker-der-Sachsen-gehoeren-auf-die-Couch
  4. Schön zusammengefasst in einem Beitrag von Moritz Rinke https://www.tagesspiegel.de/kultur/chemnitz-und-die-folgen-maassen-oder-wie-der-hase-laeuft/23077918.html
  5. Nachzulesen bei Zeynep Tufekci auf: https://www.nytimes.com/2018/03/10/opinion/sunday/youtube-politics-radical.html?rref=collection%2Fcolumn%2Fzeynep-tufekci&action=click&contentCollection=opinion&region=stream&module=stream_unit&version=latest&contentPlacement=4&pgtype=collection
  6. Zwar polemisch, aber in der Aussage m.E. richtig von Ayla Mayer: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/chemnitz-und-die-folgen-der-demokratische-konsens-broeckelt-kommentar-a-1227082.html
  7. Nachzulesen u.a. bei Harald Welzer, „Die smarte Diktatur“, S. Fischer Verlag, 2016
Share
Leave a Comment

Die Verrohung der Gesellschaft

Heutzutage behaupten ja viele (unter anderem auch Heiko Maas), dass eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft stattfinde, deutlich sichtbar etwa an schludrig durchgehetzten Hasskommentaren auf Facebook, Instabinsta, Twiddi und Doddel oder an anderen Erregungsbotschaften, geschlonzt in andere virtuelle Tagebücher, nach dem Motto: Das kommt mir nicht zupass, also kriegste Hass (du Bitch!).  Auffällig sei dabei eine umfassende Impulskontrollschwäche, wodurch selbst die kleinste Nichtigkeit das Potential habe, ein kinskieskes Hassfeuerwerk zu entfachen, das dann jedoch selten in kinskiesk genialer Eloquenz abgefeuert werde, sondern in Form als auch Inhalt eher bildliche Assoziationen an halbverdaute Breispeisen hervorrufe, die unter höchster Anstrengung die Speiseröhre hinaufgewürgt werden. Schade.

Erst wollte ich – Gutmensch, der ich bin – nicht so richtig an diese immense Hasserei heutzutage glauben und dachte mir eher (vor allem als es Heiko Maas formulierte): Ach komm, ach, ach geh! Bis ich diese Verrohung am eigenen Leib erfahren musste. Nämlich: die letzten vier Male, als ich mit meinem PKW großzügiger und vorausschauender Weise an sogenannten Fahrbahnverengungen (und anderen Engstellen) den Weg für den sogenannten Gegenverkehr frei gemacht, mich also devot an den Fahrbahnrand gekauert und dabei fast meinen massigen Fahrzeugunterboden (und den andern natürlich auch) aufgeschrammelt hatte und auf die obligatorische Gegenleistung wartete (einen halbnett gemeinten Kurzgruß mit der flachen Hand 1), jedoch nichts anderes erhielt als kaltes, kotzbackiges, mich komplett ignorierendes Vorbeiglotzen. Da wusste ich, mit der Zivilisiertheit dieser Gesellschaft ist es vorbei, wenn solche auf halblinks aufgeblasenen Fredchenfressen; abgelutschten, in Hundekot gespuckten Salbeibonbons; vor Ekelhaftigkeit aus allen Löchern defäzierenden Fäkalapparate; bis oben hin vollgeschissenen Regentonnen; latent rechtsradikalen, durchschnittsdeutschen, vollgewichsten Gummihühner; VW-fahrenden, analdildobepfropften Dieselgateverlierer; potentiellen Alice-Weidel-Begatterinnen (nein schlimmer noch: -liebhaberinnen); eigentlich nach Eichsfeld zu entsorgenden Müllkübelgesichter; Radio-Sachsen-Anahlt-Hörer, solche dehumanisierten, von der Evolution ausgerotzten, Zellhaufen auf den Straßen unterwegs sind! Armes Deutschland. Nichts als Hass, wohin man sieht!

  1. Anm. d. Verf. kein Hitlergruß!
Share
Leave a Comment

Argumentationshilfen für die nächste Facebook-Diskussion

  • Aber Sie kennen sich aus, oder wie?
  • So ein Quatsch!
  • Nazi!
  • Linksfaschist!
  • George Soros bezahlt dich!
  • Martin Schulz sorgt bei dir auch gleich für Gerechtigkeit!
  • Schweig! (Klassiker)
  • Das Social-media-Ding von Google is viel besser.
  • ahrmes teuschlant!
  • Auf Twitter hab ich 1351 Follower.
  • Jetzt beruhig dich mal, nimm die Finger von der Tastatur, lass dir ne schöne Badewanne ein, setz dir einen Kamillentee auf, buch ein Wochenende Wellness im Spreewald, geh mit deinem Hund um den Block, atme einfach einmal tief durch, leg dir Entspannungsmusik auf und dann fick dich, du Scheißidiot, mit deiner Scheißmeinung, deinem Scheißgesicht, deinen Scheißfreunden, du Haufen Scheiße, du Abschaum des Abschaums, du Absonderung der Absonderung der Absonderung drei Tage alter Gehsteigspeichelreste, du Königsekzem, Herrscher über alle eitrigen Ausbeulungen der Unterwelt, du Kohlrabiessensrest im faulig Gebiss eines 99-jährigen ehemaligen SS-Offiziers, du Ledersitz einer Mercedes-Limousine, auf den sich Sigmar Gabriel setzt, du…du…hach, ich geh in den Garten Erdbeerenpflücken.
  • Heute morgen habe ich meine Schuhe ganz allein zugebunden!
Share
Leave a Comment

Drei wahllose Gedankengänge an einem Montagnachmittag

-1-

Eigentlich könnte ein Smartphone ein tolles Werkzeug sein. Also abgesehen von dem ganzen Social-Media-Geschmodder, das ja hauptsächlich gar nicht so social ist, da man die virtuelle Spiegelfläche an „Freunden“ dafür verwendet, sich genüsslich selbst zu bestaunen, im die Seele so schön kühlenden Feedbackregen unzähliger, nach oben zeigender Daumen: Wie schön man doch ist? War man schon immer so schön? So weltgewandt? So bedeutend? Eigentlich nicht. Abgesehen davon sind soziale Medien aber bspw. nicht schlecht um Urlaubsbilder an Muttern zuschicken und im Gegenzug dafür kitschige „Ich-hab-an-dich-gedacht-Videos“ zu erhalten. Und abgesehen davon könnte – wie erwähnt – ein Smartphone ein tolles Werkzeug sein, bspw. im Ausland zur Übersetzung. Da man aber technisch noch nicht, dafür aber in Sachen Turbokapitalismus sehr wohl fortgeschritten ist, kann man das Smartphone noch nicht an seinem Kehlkopf anlegen (oder es damit verschmelzen lassen, es bpsw. in eine praktische Aussparung – die man sich bei seinem Hausarzt hat anlegen lassen – hineinzuschieben oder ähnliches, was sicherlich in hoffentlich ein, zwei Jahren möglich sein wird), während dieses dann das eigene Gebrabbel in fremdsprachliches Gebrabbel übersetzt, stattdessen darf man aber Unsummen an Roaming-Gebühren bezahlen, wenn man einfach nur wissen will, was „Ich möchte ein hartes Ei“ auf bspw. französisch heißt.

-2-

Abgesehen davon ist es mir persönlich unverständlich, wie man sich freiwillig in ein 30-Grad-Sonnenschein-Staubecken menschlicher Ausdünstungen wie bspw. ein Schwimmbad begeben möchte, um sich dort zu „entspannen“. Auch Strände mit dem Geruch von Verwesung, hervorgerufen durch vollgeschissene Badehosen (da Menschen sich stets so sehr über den Sommer freuen, dass sie zu Beginn der Hautgrillsaison genüsslich einkoten), überkochende Achselsuppen und faulig-trockenen Mundgeruch, zähle ich ebenfalls zu dieser Kategorie sommerlicher Strapazen, die ich persönlich als – man muss es sagen – ganz schlimm empfinde. Da trifft man auf das schlechteste im Menschen, äffische Fratzen im Spiegel der Sinnlosigkeit der eigenen Existenz, Schwitzen, Schwitzen, Schwitzen, unsinniges Geschrei, gelebte Einsamkeit in der vermeintlichen Gemeinschaft, eben augenscheinlich werdende Entfremdung von der eigenen Gattung und – schlimmer geht es kaum – die Lust am Volleyballspielen. Dazu natürlich noch dieser verdammte, hirnverbrennende Sonnenschein, wodurch auch ich nicht anders kann, als äffisch mein durch den ganzen Körper pulsierendes Unbehagen wegzugrinsen. Schlimm, schlimm, schlimm.

-3-

Abgesehen davon ist es immer wieder eine interessante Überlegung, gerade wenn man überromantisiert durch naturelle Erfahrungen bspw. an einer Bergschlucht sitzt oder einen Sonnenuntergang beobachtet (der viel zu lange dauert, für den viel zu kurzen ästhetischen Effekt), ob es nicht sinnvoll wäre, sich ein Haus aus zwei oder sagen wir drei Brettern zusammenzuschustern und in der Natur von Käfern zu leben, um endlich total frei zu sein, wie dieser Typ aus diesem Film mit dem schlechten Eddie-Vedder-Soundtrack. Und dann ist es aber noch eine interessantere Überlegung, den mir persönlich noch unklaren aber in diese Richtung verweisenden Gedanken Hannah Arendts zu folgen, wonach sich der Mensch durch das gelebte Engagement im Gemeinwesen erst als Mensch realisiert, er dort seine Freiheit konkretisiert, weil er natürlich – an dieser Erkenntnis kommt man nicht vorbei – ein soziales Wesen ist und damit einen grundlegenden Teil seiner gewordenen Existenz zu leben im Stande sein könnte. Ja, das ist total interessant. Aber nach wenigen Minuten in diesen Überlegungen funktioniert dann doch das „homogenisierte Alltagsbewusstsein“ und beschäftigt sich mit der nächsten überflüssigen Bedürfnisbefriedigung, was nun wirklich gar nicht mehr interessant ist, sondern eher tragisch und so verleibt dann doch wohl erst alles dort, wo es ist, bis es irgendwann zu unerträglich wird – oder wie dieses uralte Gesetz aller Dinge auch immer lautet.

Share
2 Comments

Miniaturen des Abschieds: Die Welt zu dicht

Taubenschläge in den Mägen
Stille in den Dachstuhlschrägen
gefrorenes Licht
Fühle undurchdringlich, mich
Dann setzt das Leben aus
Und später die Nächte

wachen nicht mehr auf.

Hörbar ist nur Flimmern
Und mit Wüstendünenblicken in atonalen Zimmern
stürzen Wahr und Falsch zusammen
Ein letztes Weltenflammen,
vereint, geküsst, vermisst
ein leerer Platz am Tisch

wo du nur bist?

Und dann nichts als Wanken, Wanken, Wanken
In einer Welt mit Bärenpranken
Mit Dichte, Kälte, Regen
Und den tiefsten Magenschlägen
Davon erholt man sich nicht,
so schnell, es ist unmöglich

Die Welt zu eng, zu dicht.

Share
Leave a Comment

Augenklavier: Dazwischen/Funken

Da gibt es ein Gefühl am
Schmelzpunkt, wo nur
oszillierende Umfassung ist,
im purpurnen Krakenwesen, das
gleich hinter der Stirn, sich
quer über den Frontallappen ein
gesponnen hat.

// bin das ICH?

Die tieferen Ebenen durch
wandernd, wallt und kriecht dieses,
Schlangen – gleich – durch
alles, was es gibt, alles was
es vorgibt, Welt zu sein und
dabei genauso irrt wie es
treffend beschreibt.

Ein Diaprojektor, die Verwaltung von
Bildern und solchen,
die es noch werden wollen.
Ineinander, übereinander, un- und ab- und auf-
und querverweislich, im Gesamt[pulk]
pulsierend, explizierend, verschweigend.

Ein Entstehen und
Zer
fall
en
nimmersatt, nimmerstop, nimmerleer, bis
Dinge erliegen, die dennoch in Bewegung bleiben [werden]

Und dazwischen ein Gefühl am Schmelzpunkt
// bin das ICH?

Es taut alles andere [ab]

Share
Leave a Comment

Zwei Fragen

Was ist Solidarität?

Warum gelingt es vielen Menschen in Deutschland nicht, sich mit geflüchteten Menschen zu solidarisieren?

Zwei schwierige Frage und wahrscheinlich wird dieser Text keine Antwort finden. Was man allerdings heutzutage tun kann, wenn man eine schwierige Frage zu beantworten hat, ist, Online zu gehen. Etwa auf Instagramm, auf Facebook, auf Snapchat, oder auf Schnapsat oder Google (ob sich das durchsetzen wird, weiß ich nicht). Oder eben auf Wikipedia. Dort steht allgemein unter dem Begriff Solidarität formuliert (etwas sperrig): „Solidarität bezeichnet eine, zumeist in einem ethisch-politischen Zusammenhang benannte Haltung der Verbundenheit mit – und Unterstützung von – Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer. Sie drückt ferner den Zusammenhalt zwischen gleichgesinnten oder gleichgestellten Individuen und Gruppen und den Einsatz für gemeinsame Werte aus“

So weit so gut. Es geht also grob gedacht um die Verbundenheit mit den Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer. Und weiterhin um den Zusammenhalt Gleichgesinnter. Um gemeinsame Werte. Und letztlich ist Solidarität im Kern ein ethischer Akt. Wodurch sich direkt die zweite Frage anschließt: Warum ist es in Deutschland nicht oder kaum möglich, einen ethischen Akt zu vollziehen, der eigentlich notwendig ist, den man vollziehen muss, würde man ganz unverstellt auf die Schicksale dieser Menschen blicken, die ihr ganzes Leben hinter sich gelassen haben? Würde man nachvollziehen können oder zumindest erahnen, was es bedeutet, vor Krieg, Hunger, existentieller Not oder einfach um ein besseres Leben zu führen, was ein legitimer Grund ist, zu fliehen. Würde man also ein Minimum an Empathie aufwenden, sich in die Lage des Anderen versetzen.

Warum gelingt jedoch diese Empathie so selten? Warum gelingt es so selten, existentielle Lebenssituation anderer und gerade von Flüchtlingen anzuerkennen? Es gibt viele Erklärungen. Aufkeimender, beziehungsweise verdeckt die ganze Zeit vorhandener Rechtsradikalismus ist eine und nachvollziehbar. Die grundlegende Blödheit des Deutschen eine andere und ebenso nachvollziehbar. Eine andere offensichtliche, aber auch schwierige (da ungenaue) Antwort ist das Verborgene im Hintergrund unserer Welt, der Kapitalismus. Immerhin ist dieser die Bühne auf dem sich unser Handeln vollzieht, ob wir wollen oder nicht und nur schwerlich lässt sich diese Bühne einfach verlassen. Stattdessen wirkt sie auf jede Szene ein, gestaltet diese unscheinbar, fast unsichtbar mit. Eben leicht übersehbar. Das wissen wir alle und gleichzeitig scheint dieses Wissen so sicher, so allumfassend, und man selbst so ohnmächtig diesem Wissen gegenüber, dass es banal wird, unzugänglich im Alltag, genau in den Situationen, wo wir Entscheidungen treffen müssen, bspw. ob wir Empathie aufbringen, ob wir uns solidarisieren, uns auf den anderen einlassen, wo es notwendig wird, ethisch zu handeln.

Empathie ist kein Begriff in der kapitalistischen Ideologie, in der alles auf Gegensätzlichkeit, auf Feindschaft und wenn nicht auf Feindschaft, dann zumindest auf Konkurrenz beruht. Und gleichzeitig ist am Kapitalismus bemerkenswert, dass sich der Mensch damit ein System geschaffen hat, das ihn selbst be- und schließlich, auf Dauer, entwertet. Dafür ist nichts weiter notwendig, als den allgegenwärtigen Regeln zu folgen, eine Ideologie der Ungleichwertigkeit zu leben, hinzunehmen. Es geht ganz leicht. Automatisch. Und Empathie – als Grundlage von Solidarität und letztlich Ethik – wird zu einer Randempfindung. Abgenutzt. Letztlich zu langsam und verzichtbar.

Das Ergebnis dieses Prozesses ist eine Denkfigur, die man im Alltag nur allzu gut kennt: Die Idee vom abstrakten Menschen. Das ist eine Denkfigur, die ganz ohne Zutun oder Böswilligkeit funktioniert. Sie funktioniert wie geschmiert. Diese Denkfigur hat den Menschen bereits überflüssig gemacht, des empfindende, denkende Individuum. In dieser Denkfigur ist der Andere kein echtes Wesen, kein Wesen wie man selbst, kein Bezugspunkt, er ist eine Zahl, eine Eins, eine Null, vielleicht auch mal eine Zehn in sexistischen Kontexten. Eine Reduktion aus Verwertbarkeit und einfacher Genießbarkeit. Natürlich nicht jeder Mensch. Man erhält sich einen kleinen Kreis an echten Menschen, bestehend aus Familie, Freunden, losen Bekannten. Der Rest ist Legion, im Überfluss vorhanden, nicht erfassbar, nicht erfahrbar, irgendwie unwichtig, und doch wichtig, leicht übersehbar. Und hier macht das Zitat von Zygmunt Baumann Sinn, wenn er sagt: „Die Bereitschaft zur Grausamkeit steigt, je größer die Distanz zum mutmaßlichen Opfer empfunden wird.“ So lässt sich vielleicht erklären, dass Flüchtlinge mittlerweile Verhandlungsmasse in diplomatischen Ränkespielen geworden sind. Vielleicht.

Natürlich gibt es weitere Gründe dafür, dass Solidarität in Deutschland nicht so richtig gelingen will, die in diesem Text nicht vorkommen und nicht vorkommen können. Verborgen im Hintergrund schreit und greint sie jedoch, die Ideologie der Ungleichwertigkeit und ruft dem Europäer zu, du bist die Elite, du bist der Wohlstand, sei stolz darauf (vom Raub und Mord, der diesen Wohlstand ermöglicht hat, erzählt diese Stimme nichts). Lass das Fremde, das Arme nicht zu dir herein, lass dir nichts wegnehmen. Lass die Nichtse, nicht von deinem Teller naschen. Die Nichtse, die Eduardo Galeano so beschreibt:

Die Kinder von niemand, die Besitzer von nichts,
die Nichtse, die Niemande,
die Verachteten, die hinterher rennen,
im Leben sterbend,
beschissen, voll geschissen:
die nichts sind und die nichts werden.

Das ist wohl das wahre Europa, erfüllt vor Angst, Angst vor den Armen da draußen, vor dem Rest der Welt, Angst davor, Privilegien und Kapital zu verlieren, Macht und Einfluss und letztlich aber Menschlichkeit.

Diese Denkfigur des abstrakten Menschen ist maximal eine Erklärung, eine dürftige, ein Erahnen von irgendwas Größerem. Und dennoch ist sie keine Ausrede, denn es gilt, sich immer wieder gegen diesen scheinbaren Kulturautomatismus zu entscheiden, zu sagen: Nein, der andere ist keine Zahl, er ist keine Hülle, keine Kategorie. Er ist gleichwertig zu mir. Es gilt eine Idee der Menschheit zu leben, die da heißen kann, wir sind alle vernunftbegabt, die da heißen kann, wir sind alle aufeinander angewiesen, die da heißen kann, nur durch den Menschen, wird der Mensch, die da heißen kann, nur durch den Anderen werde ich ich und bin ich geworden.

Und so sind Begegnung, Dialog und Kooperation die Waffen gegen Empathielosigkeit und das Denken vom abstrakten Menschen. Es sind die schwächsten und stärksten Waffen zugleich. Die schwächsten, da ihre Wirkung nur selten unmittelbar wahrnehmbar ist und die stärksten, da die Welt durch diese dauerhaft zum Guten hin verändert wird. Wenn man so will handelt es sich dabei um humanistische Zeitbomben, die niemanden verletzen, verstümmeln oder zerreißen, sondern Felder der Macht aufsprengen, Räume öffnen, in denen neue Möglichkeiten realisiert werden können, die Verstehen und damit Verständigung erwirken, wo man nicht dieselbe Sprache zu sprechen scheint.

Der massive Einsatz dieser Waffen wäre wünschenswert. Durch ethische Akte. Durch Empathie (und daraus folgend Mitgefühl) im Persönlichen. Durch Solidarität mit den Schwächeren im Politischen. Jedoch nicht, weil wir gleich oder gleichgesinnt sind, sondern weil wir gleichwertig sind. Und weil wir eine wichtige Idee vom anderen haben, der ich sein könnte, der eine Möglichkeit meines Lebens darstellt, ohne den ich nicht denkbar bin.

 

 

 

 

Share
Leave a Comment