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Monat: November 2013

Sonderangebote

Es passiert nicht oft, dass sich meine Studenten Gedanken machen. Die meiste Zeit sind sie damit beschäftigt, ihre Auslandstrips nach ihrem Abschluss zu planen und vergessen dabei, dass ich sie am Ende des Semesters eiskalt durchfallen lassen werde. Worin diese jungen Menschen jedoch mehr als geübt sind, ist das Suchen und Finden von Sonderangeboten. Es war also lediglich eine Frage der Zeit, bis ich in meiner Vorlesung einen philosophischen Blick auf dieses Phänomen der Alltagsgeschichte werfen sollte und soweit es überliefert ist, gibt es Sonderangebote seit Anbeginn der Menschheit. Kein wunder also, dass dieser Gegenstand dementsprechend lange unter philosophischer Beobachtung stand. So gut wie jeder große Philosoph konnte zu diesem Thema etwas beipflichten. Es ist nachgerade überraschend, welche Gedankenfülle sich bezüglich dieser Erscheinung im Laufe der Zeit entfaltet hat.

Platon brabbelte etwa: “Der Mensch kann nur sagen: das ist ein gutes Sonderangebot, wenn er zuvorderst das Urbild des Angebots geschaut hat. Erst wenn er dessen Eigenschaften verstanden hat, kann er das Sonderangebot erkennen und beurteilen und im besten Falle wahrnehmen. Das Sonderangebot strebt dem Angebot stets zu, doch niemals wird es dieses erreichen”. Zudem erklärte er, dass Sonderangebote nicht immer günstig sein mussten. Ofmals war es wohl der Fall, dass ubrildliche Angebote um einiges billiger ausgeschrieben wurden als deren abbildliche Pendants, was unter anderem an den geringen Herstellungskosten oberhalb des Himmelsgewölbes gelegen haben musste. Das Sonderangebot ist also an sich – wenn man Plato auf diesem Wege folgen mag – ein organisches, sehnsüchtelndes Wesen, das hin zu seinem Ursprung strebt und diesem gerecht werden möchte, obwohl das eh nix wird. Auch Sokrates war ein Fan des Sonderangebots gewesen. Aus Platons Aufzeichnungen weiß man etwa, dass der alte Weise der Philosophie das Sonderangebot als entzückendste Verlockung des Lebens, gleich nach süßen Knaben, nannte und eigentlich immer auf der Suche nach dem nächsten Schnäppchen war. Oftmals erhielt er Waren sogar völlig kostenlos, nachdem er mit dem Verkäufer in einen eindringlichen Dialog gegangen war und leitete nebenbei einen äußerst erfolgreichen Trödelhandel, mit dem er die Nudelholzsammlung seiner Ehefrau finanzierte.

Retrospektiv muss man sagen, dass es grundlegend zwei Ansichten über das Sonderangebot in der Philosophiegeschichte gab. Da waren die stolzen Befürworter wie Descartes (der sogar seine Philosophie auf dem Sonderangebot gründete: “Ich will das Sonderangebot, also bin ich”), Hume (er mochte besonders gerne günstige Plätzchen und Gänsebraten und auch er war es, der theoretisch sicherstellte, dass man erst von einem Sonderangebot reden kann, wenn man es höchst persönlich wahrgenommen hatte) und sogar der stets schlecht gelaunte Kierkegaard, der vor allem Ausschau nach großen bunten Hüten mit Federn hielt, die ihn zumindest einige Sekunden lang aufheitern konnten. Gegen diese Giganten des Geistes stehen seit jeher die Sonderangebotsverächter. Unter ihnen sind Schwergewichte wie der eisenharte Kant (”Sonderangebote existieren nicht”), Nietzsche (der stets predigte, das Sonderangebot und die damit verbundene, lausige Scheinmoral müsse endlich überwunden werden, um hin zu einer Art Überangebot zu gelangen) oder auch Ludwig Wittgenstein, der verächtlich in einer Vorlesung getönt haben soll: “Über Sonderangebote lässt sich trefflich reden, indem man schweigt.”

Ein Philosoph jedoch, der kaum historische Beachtung fand, besgründete seine Philosophie ausschließlich auf dem Phänomen des Sonderangebots. Ulrich von Wankern, 1997 im urigen Bad Brombach geboren, schloss seine Beobachtung mit folgender Erkenntnis: “Sonderangebote…das is geil und geiz is geil. Geil! Isch muss los in de Kunstbar. Geil!” Sonderangebote erregten seit jeher das menschliche Gemüt, waren stets Symbol für Hoffnung und den Glauben an Besserung. Das Sonderangebot ist in seiner Einzigartigkeit jedoch ein Zwitterwesen: Viele Sonderangebote koexistieren und sind sich nur in ihrer Form einig, die wiederum das besondere am Angebot darstellen kann, deren Klang und Äußeres zu einem unverwechselbarem Bilde führt, das wiederum – wenn man genau hinsieht – jederzeit wiedererkannt werden kann und somit die Einzigartigkeit in der Vielfalt sichert, wie es dem normalen Angebot oder Ramschtisch bis heute nicht gelingt. Was? Mit diesem schlauen Satz endet unsere heutige Reflexion.

 

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Politische Poesie: Das Braune im Deutschen

Im Alltag ist kaum Platz dafür, die Konvention verbietet es
vielleicht mit halber Ironie, sagt jemand was er hält von Fremden.
Der Negerwitz, der Türkenenwitz, die sitzen locker auf der Zunge
aber bitte: hier trägt doch niemand braune Hemden!
Natürlich sind wir seit Dekaden schon, befreit vom üblen Schmutz
der jahrelang das Deutsche Reich – äh, Volk, äh stolze Heimat halt – bedeckte.
Freigegraben ham wir uns, uns und unsre Werte
während ganz leis der letzte Jud im Kämmerlein verreckte.

Aber: der Deutsche ist gewachsen, seit dieser dunklen Zeit
bereit sich zu entlasten, groß zu planen!
Geistig, ist er doch schon längst befreit
und an Antennen platziert er Fahnen.
In die Zukunft führt der Blick
böse Taten werden leiser
Es lohnt sich nicht, der Weg zurück
je älter man wird, klar, desto weiser.
Und die Nazi-Tyrannei?
Eins, zwei oder drei, vorbei!
Mach an das Licht, man kann es sehn,
dass wir alle richtig stehn!

Es lohnt sich aber nachzufragen, was an diesen Tagen
denn in Schneeberg los ist, im Erzgebürge?
in Gransee, Hellersdorf, man würge!
In Dortmund Hacheney und auch in Appel
stehen stolze Menschen, aufrecht, mit der Fackel
skandieren, skandieren, ein Volk sei man ja
und schau, selbst die größte Drecksau ist da
um gegen Flüchtlinge zu ziehen
die sollen mal schön weiterfliehen
nach Polen, Frankreich, zu den Russen
schön nach Auschwitz, ganz modern in Bussen!
Zur Not kommen die Rechten, verteilen Feuer und Schläge
die deutsche Seele, sie wär gerettet, wenn dieses Heim woanders läge.

Der braune Reflex im deutschen Fleisch greift immer noch wie 33
ist die Kultur vermeintlich in Gefahr, ja, da wird der Deutsche fleißig
Er schleppt den Wanst vom Fernseher weg, vom Nachmittagsprogramm
wo deutsche Kultur für Massen strahlt, guck, die Britt ist wieder dran!
und dann die Geißens, Berlin Tag und Nacht
und dann wird mit Cindy aus Marzahn gelacht.
Wir Deutschen sind das reichste Land, voll stolzer, edler Kunst
und wehe wenn der Türke kommt und deutsche Frauen bumst!
Wir haben Werte! Christlich! Frömmig! Die Deutschen sind von Gott gesegnet!
Weshalb es angemessen ist, dass man dem Heiden oder Neger entsprechend bewaffnet begegnet.

Der Rechte sagt, er sei doch nur Stolz
was ist daran so schlecht?
der will doch nur sein Erbgut schützen
sein deutschnationales Geschlecht.
Was dieser Genetik jedoch entschlüpft
ist die Rasse der Herren so gar nicht
Die Stirne sind beulig, die Augenhöhlen tief
das Hassgeseier so tranig.
Kein Wunder, dass man sie so oft klagen hört:
“Wie unfair ist denn das Leben?”
Was will man dazu noch Kluges sagen?
Inzest eben.

So sind sie die Rechten, doch Deutscher wach auf:
Das entspricht nicht mehr deinem Wesen!
Auch in dir kann man manchmal, die Chancen sind da
ganz andere Geschichten lesen
Von Freiheit und Gleichheit und vom Bruder dort auch
der schwarz ist und gelb ist und grün
Moral und Hoffnung, Humor und die Liebe
in DIESEM Glanze könntest du blühn!
Schütt sie weg, die braune Suppe
die von deinen Ängsten gekocht
so zuverlässig ätzt, in Herz und Gehirn
ein klaffendes, elendes Loch.
Ich kann nur hoffen, ich hoffe es sehr:
Am Ende gewinnen wir doch.
Und das Braune wimmert so stolz und allein
dort, woher es einst kroch.

(Für Dieter, die alte Eule)

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Über: Die Zukunft

Es gibt mittlerweile amerikanische 3D-Drucker, die Pizza ausdrucken können und das passiert nicht so, wie man sich das natürlicherweise vorstellt: Das Bild einer Pizza auf Papier und einige Probanden, die dieses Produkt verköstigen und sagen “hm, da schmecke ich Kariertes” oder “hui, ein Schuss Liniertes ist auch dabei” oder “Butterbrotpapier, eindeutig!” und man ist froh darüber, dem Fortschritt gedient zu haben. So nicht, nein, nein. Die Pizza ist tatsächlich echt und essbar und sieht aus, wie Pizza normalerweise nicht aussieht, also eckig, der Käse ähnelt Zahnpasta (wahrscheinlich Colgate, könnte aber auch Aronal, Elmex, Blendamed oder Sensodyne oder Sensident oder Odolmed 3, Blendax, Blenda-A-Med, Blend-A-dent, Dentagard, Dr. Best, Ajona oder Perlodont oder Paradontax oder Perlweiss oder Putzi [Zahncreme für Kinder: Gegen Zahnschmutzi], Theramed oder Rot-Weiss oder Silca oder Swissdent sein), die Tometansoße zähflüssig wie Sirup und Belag fehlt grundsätzlich. Eine Pizza also, wie sie Giovanni, der Pizzabäcker, der im Kabel 1 Format “Abenteuer Leben” die unzähligen Vergleiche von frisch gebackener mit tiefgekühlter Pizza durchführt und immer wieder sagt: “Bah, das isse keine Pizza!”, nicht für gut befinden würde. Laut Kabel-1-Redakteuren besteht das Abenteuer Leben darin, Gerichte möglichst in XXL-Größe herzustellen, auch wenn sich dies nur äußerst schwierig gestalten lässt und man bspw. in einer sehr aufwändigen Prozedur – unter Zuhilfenahme von 12 raubeinigen, aber liebenswerten Chaoten – eine gewaltige gußeiserne Pfanne schmieden muss, in der dann auch eine Riesenwurst – die von einem grobschlächtigen, sympathischen Metzgermeister sorgfältig zusammengebatscht wurde – Platz finden kann, obwohl es sich bei diesem Unterfangen nüchtern betrachtet – im Gegensatz zum üblicherweise volltrunkenen, verlodderten aber goldherzigen Kabel 1-Zuschauer – um hirnschmelzenden Unsinn handelt, den ein Zuschauer, dessen Hirn gerade nicht schmilzt – niemals sehen möchte – ehrlich wahr. Falls es ein Abenteuer sein sollte, eine Riesenbratwurst zu braten, hat die Literatur diesen Begriff seit Jahrhunderten falsch verstanden und wir haben aus mangelnder Weisheit und aus mangelndem Wissen heraus übersehen, dass Robinson Crusoe natürlich auf einer riesigen Scheibe Bierschinken gestrandet ist, sich König Arthus mit Rittern der Tafelschokolade umgab und es sich bei den Schriften von Mark Twain um die Abenteuer von Tom Soda und Hackbrötchen Finn handelt.

Zum Glück ist jedoch vor kurzem der Deutsche Meister im Stadt, Land, Fluss gekürt worden – von Kai Pflaume, wem sonst? Kai Pflaume ist der einzige deutsche Moderator, dem es routiniert gelingt, einem langweiligen Thema ein frisches Pfund Langeweile oben draufzupacken und dabei gelegentlich noch verkappte, von zahmer Altersgeilheit beseelte, wahrscheinlich charmant gemeinte aber doch nur auf hübsche Titten abzielende Komplimente an die Frau zu bringen. Zudem ist er der einzige TV-Mensch (das Mensch muss man betonen, sonst wird es vergessen), der gequält lächeln kann, ohne es wirklich so zu meinen. Unverzichtbare Qualität im deutschen Fernsehen. Jedenfalls gibt es jetzt endlich einen deutschen Meister im Stadt, Land, Fluss und wenn man schon dabei war, hat man einfach auch noch den deutschen Meister im “Vorschlaghammer an den Kopf halten” ausraumbolt und damit den jahrzentelangen Vorschlaghammerstreit in Deutschland endgültig beendet. Ein Herzliches Beileid geht daher an die Vorschlaghammerbrüder in Eisenach, die bereits seit 20 Jahren Vorschlaghämmer an ihre Birnen halten und trotz dieser großen Tradition – dem Wahrzeichen von Eisenach – nicht einmal zur Meisterschaft eingeladen wurden. Vielleicht klappt es aber mit einem Titel in der zweiten, eisenachischen Paradedisziplin: Stumpfsinn! Toi, toi, toi!

Als Säugling weiß man – und das ist ein großer Vorteil – nur sehr wenig mit Vorschlaghämmern anzufangen und bleibt somit in den ersten Lebensjahren von den meisten Streitigkeiten des Erwachsenenlebens verschont. Man ist mit anderen Dingen beschäftigt. Basale Lebensplanung, Mordlustigkeit und lästigen Krähen die Augen auspicken. Ich frage mich manchmal, weshalb es so wenigen Säuglingen im späteren Leben gelingt, andere Menschen zu töten, obwohl es ihnen doch von Grund auf ein veritables Bedürfnis ist. Klar, es gibt Ausnahmetalente, aber nur nach entsprechender Vereinsförderung. Aber der Durchschnittsbürger? Der bringt es kaum auf eine angemessene Anzahl an Morden und nur die allerwenigsten schaffen den Sprung vom Killerbaby zum Killerbubi, ohne fremde Hilfe. Sträflich vernachlässigt wird etwa die öffentliche Betreuung zukünftiger Killer, vor allem in Kindergärten und Kitas. Stattdessen soll den Müttern die Erziehung zum Mörder nun wieder selbst in die Hände gelegt werden, was auf Dauer keine Lösung sein kann, denn seien wir mal ehrlich: Den meisten Müttern fehlt der Biss. Da wird höchstens mal der Ehemann vergiftet oder einer ehemals guten Freundin, mittlerweile Feindin, der Kopf abgetrennt, oder einer anderen Frau beim Shoppen im H&M der Arm abgebissen, wenn dieser sich zufällig in dieselbe Bluse verheddert hat. Wieso wird denn nicht mal ein Autor beseitigt, der offensichtlich klischierte Frauenwitzchen macht? Das wäre doch mal ein Anfang. Und dann weiter in die Führungsetagen der Republik. Aber nein, das bringen moderne Mütter nicht. Wie soll eine Gesellschaft funktionieren, in der keine Mörder herangezogen werden? Fragen, die sich die moderne Politik nicht stellen will.

Zur Not hat man ja immer noch den Kapitalismus. Der sagt ja unter anderem: Du darfst! Eigentlich sagt er auch: Du darfst nicht nur, wenn du kannst, du darfst vor allem wollen und das auch – oder ganz besonders – wenn du nicht kannst! Du darfst alles wollen, was du willst, das ist dein natürliches, unveräußerliches Recht. Du darfst so bleiben wie du bist: Ein Woller! Ein bedingungsloser Woller! Dementsprechend schief beäugt er einen, wenn man mal nichts will. Der moderne Kapitalismus sagt dann bspw.: Uncool! Schau dir mal dieses übersexualisierte 16-Jährige Mädchen an, willst du nicht auch so sein? Kauf dir Hotpants! Oder er sagt: Was sie dringend in ihrem Auto benötigen, ist eine Saftpresse, die ihren Namen kennt und ihnen die Füße massiert, während sie ihnen Kafkas Verwandlung (VW-Beetle-Version) vorliest. Ein indianisches Sprichwort beschreibt das Wesen des Kapitalismus ziemlich genau und zwar bezeichnet es diesen als einen Spiegel, der nicht so richtig funktioniert, da die Benutzung einerseits kostenpflichtig ist und in diesem kein Spiegelbild zu sehen ist, sondern 24 Stunden lang Werbung – auch regelmäßige Sonderangebote von Spiegeln bei Ikea. Zumindest ist der Kapitalismus ein guter Ersatz für eine fehlende Mörderförderung. Zwar tötet er nicht (jedenfalls eher selten im Westen), aber er macht arm – zumindest den Großteil – was man ja immerhin als sozialen Mord durchgehen lassen kann. Alles prima.

Wogegen der Kapitlismus allerdings wohl nichts machen kann, ist die Schwemme von 3,4 Millionen Autoren die über das Reisen mit der Bahn schreiben und dies auf offenen Lesebühnen oder in geschlossenen Anstalten vortragen. 3,4 Millionen! Das ist eine erschreckend hohe Zahl. Was ist los in der Sonderschule der Kleinkunstschriftstellerei? Wie kann man sich so eine umfassende Geschmacksverirrung erklären? Der unheimliche Einfluss der deutschen Bahn auf das Leben der Deutschen? Oder ist es vielmehr der unheimliche Einfluss der deutschen Bahn auf das Leben einiger Deutscher, die meinen, einer ihrer Vorfahren sei in Goethes Skrotum herangereift und wenn nicht das, dann zumindest in jemandes Skrotum, der Goethe immerhin verehrt und wahrscheinlich auch einmal gelesen hat. Sind es thematische Nöte, sind es Ideennöte, sind es zu hartgekochte Weichbirnen, die aufplatzen und neben Hirnresten einen neuen Bahntext offenbaren? Schön wärs, aber eigentlich weiß man es nicht genau.

Genau weiß man nur, dass in Zügen der ODEG und vor allem in deren Toiletten Knöpfe aus dem Raumschiff Orion installiert sind und der Bordcomputer minütlich darauf hinweist, dass die Toilette gerade besetzt ist, wenn sich jemand darin zum Urinieren oder Koten befindet. Das ist fast so beeindruckend wie 3D-Drucker, die viereckige Pizza drucken können. Wenn man diese jetzt auch noch in Zügen der ODEG ausdrucken könnte und der Bordcomputer einen guten Appetit wünschen würde, dann stünde einer großartigen Zukunft nichts mehr im Wege. Aber davon ist die Menschheit ja noch Lichtjahre entfernt.

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Kunstkritik: Then Dog said…

“Irritierend” oder “provokaierend”, geben Kenner von sich, wenn sie das neuste Werk von Madelaine Beurdeuf in Augenschein nehmen dürfen. Mit “Then Dog said, let us make man in our image, to be like us” ist der französischen Grand Dame wieder einmal der ganz große Wurf gelungen. Kritiker und Fans sind begeistert, fassungslos und in siedender Ekstase garen die Komplimente zu einer schmackhaften Gesamtkomposition des uneingeschränkten Lobes zusammen. Der rastlosen Beurdeuf, die – wie allseits bekannt – im Alter von acht Jahren bereits ihr Elternhaus verließ, um in einer Mülltonne zu leben und sich ausschließlich von Keksen zu ernähren, ist es wieder gelungen den Rezipienten direkt das Sinnieren in den Gedankenapparat zu pusten. Wie ihre in den neunziger Jahren populäre und von Schärfe geprägte, antiamerikanische Aktionskunst – wir erinnern uns alle an die unvergesslichen Szenen am Champs Élysées, als Beurdeuf nackt versuchte Toastbroat in ihren Pobacken aufzubacken oder in einem mit Mayonnaise gefüllten Planschbecken das Ertrinken eines protestantischen Kindes simulierte – trifft auch ihr neuestes Werk das Kerngehäuse der modernen Zeit und dürfte vor allem im amerikanischen Raum auf erneute Resonanz stoßen, wenn auch auf voraussichtlich äußerst negative.

Dabei kam es der mittlerweile 86-jährigen Großkritikerin, übrigens eine Koryphäe der heutzutage kaum noch angewendeten Gelenkwischmalerei, nicht in erster Linie auf die Herausforderung engstirniger Zeitgenossen an, wie sie selbst bei der Eröffnungsausstellung in Paris anmerkte, obwohl das auch immer Teil ihrer Kunst war. Vielmehr sei ihr neuestes Werk ein wichtiges, ein immenses Anliegen: Der Mensch solle wieder lernen zu hinterfragen, um seine gemütlichen, aber rostigen Denkstrukturen aufbrechen und letztlich neu gestalten zu können. Dass sie sich damit voll und ganz gegen den Mainstream der Kunstindustrie stellt, ist ihr bewusst und sie tut es aufrecht wie ein alter, knochiger Fels, der einfach nicht auseinanderbröseln will, egal wie hoch die Wellen der Empörung schlagen. Diese lange trainierte Haltung des störrischen Esels ist nicht nur bewundernswert, es ist ein nötiges Aufbegehren des Humanen, in einer Welt, die inhuman geworden ist.

“Then Dog said, let us make man in our image, to be like us” erzählt von der Geschichte des zweifelnden Menschen in einer undurchsichtig gewordenen Lebensumgebung. Unweigerlich tauchen beim Betrachten des Werkes existientelle Fragen auf, die eine umgehende Beantwortung geradezu erzwingen. Wie ähnlich ist der Mensch dem Schoßhund wirklich? Ist Schappi vielleicht die vernünftigere Alternative zu Pferdefleisch-Lasagne? Wie fremdbestimmt ist der Mensch in einer Welt, die ihn ständig zum Sitzmachen zwingt? Kann der Mensch sich irgendwann von der Leine, die ihn seit Anbeginn der Schöpfung an einen metaphysischen Holzpflock bindet, losreißen? Kann der domestizierte Mensch irgendwann wieder frei sein? Natürlich wird auch ein kritisches Licht auf die Schöpfungsgeschichte geworfen – bei der religionskritischen Beurdeuf gehört dies zum guten Ton. Das Verständnis von Gott muss nach der Erfahrung dieses Werks völlig neu gedacht werden. Gott etwa als der ständig heulende Schoßhund, der mit dem Schwanz wedelt und Sitz macht und Platz, um das nächste Leckerli zu bekommen. Gott, der das Universum beim Gassigehen erschaffen hat, nebenbei, ohne die allumfassende Liebe, nach der sich die Menschheit so sehr sehnt. Gott als kläffende, nervtötende Fußhupe des Universums.

Tiefe, fragwürdige Abgründe reist Beurdeuf mit ihrem Werk in das Selbstempfinden des Rezipienten und trifft ihn dort, wo er am empfindlichsten ist: Im auseinanderfallenden Herzen, das im Wind der modernen Welt davon getragen wird. Doch gibt Sie dem Menschen auch einen Plan an die Hand, eine Chance zur Rückbesinnung. Der Mensch ist schließlich mehr als ein Stück Software, das der ständigen Gefahr ausgesetzt ist, ungefragt, zu den unpassendsten Zeitpunkten, geupdatet zu werden. Der Mensch muss wieder lernen, enervierend herumzubellen, in einem Zeitalter, das droht ihn selbst zu überholen. Der Mensch muss wieder lernen stehenzubleiben, an der Leine zu rütteln, an dem ein oder anderen Bäumchen zu schnüffeln. Der Mensch muss wieder sorgloser mit seiner eigenen Biologie umgehen, einfach mal ein Häufchen machen, wenn ihm danach ist. Und schließlich muss der Mensch die Fährte aufnehmen, in eine gütliche, gerechte Zukunft für sich und seine Artgenossen. Danke Madelaine für diese Einsichten. À la bonne heure, Madame Beurdeuf, à la bonne heure!

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