Zum Inhalt

Monat: Januar 2014

Sprache und so: Enttäuschung

Enttäuschung (die, also weiblich, also empfangend und fürsorglich und fast gleichberechtigt mit der männlichen Form), das weiß man, bedeutet soviel wie Trauer oder Unmut über ein eingetretenes Ereignis, das in einer anderen Qualität/Quantität erwartet oder erhofft wurde. Enttäuscht wird man also, wenn man in die falsche Richtung erwartet/gehofft hat oder aber in die richtige Richtung, die tatsächliche Richtung dann jedoch die Falsche war, oder aber, wenn man einfach gar nicht erwartet/gehofft hat, dass man Falsch liegt und es dann doch tut, oder wenn mann annimmt, dass es gar kein Wahr oder Falsch gibt, doch dann in diesem kleinen Textchen erfahren muss, das dem doch so ist – enttäuschend, nicht wahr? (Wahr ist – nebenbei bemerkt – natürlich alles was hier behauptet wird) Enttäuschung, das weiß man heutzutage auch, weil es irgendjemand irgendwann mal getwittert hat, bedeutete früher einmal – im 19. Jahrhundert oder so – von einer Täuschung befreit worden zu sein, synonym auch desillusioniert zu werden, etwas Positives eigentlich. Hoppla! Das ist ja schizophren – und zwar nicht schizophren im krankeitsbildlichen Sinne (das ist nämlich relativ kompliziert), sondern im Sinne der polemischen Verwendung in halbjournalistischen Pamphleten mit der Bedeutung: voll widersprüchlich und zwar so arg, dass man verrückt werden könnte – boah!

Die Enttäuschung ist ein schizophrenes Wort und der Mensch des 21. Jahrhundert ist bereits daran verrückt geworden. Enttäuschung entmutig ihn, statt ihn frohlockend aufjauchzen zu lassen und fixiert ihn damit in einer paradoxen Weltwahrnehmung – voll mies! Es ist anznunehmen, dass der machthabende Klüngel (welcher weiß man nicht so genau) irgendwann die Umdeutung des Wortes Enttäuschung ins Negative veranlasst hat, damit der regierte Mensch Enttäuschung tunlichst vermeidet, er also stets getäuscht vor sich hin lebt, er sich natürlich weiterhin nach Enttäuschung sehnt, diese aber natürlich nicht mehr begrifflich fassen kann und somit voll schizophren wird und bei Saturn einkaufen geht – voll gemein! Dies erklärt die guten Wahlergebnisse bspw. der CSU in Bayern, wo die Enttäuschung einfach nicht eintreten will, obwohl es genügend Gründe dafür gibt (CSU-Mitglieder). Überhaupt: Welche Rolle die heutige Politik in der Enttäuschungsmechanik der Deutschen spielt, lässt sich nur schwer sagen. Merkel als auch Gabriel sind exzellente Täuscher und Enttäuscher und damit genauso schizophren, wie die Gesellschaft, die sie gestalten, von der man übrigens auch nicht so genau weiß, wie enttäuscht sie eigentlich wirklich vom Nationalsozialismus ist* und damit auch nicht, ob sie überhaupt bereit für weitere Enttäuschungen ist. Schwierig. Wenn man jetzt noch ein Fazit ziehen möchte, weil man ja aus allem Denken immer einen Zweck oder ein griffiges Lebensmotto ableiten sollte, dann könnte man raten: Enttäuschen Sie, enttäuschen Sie, enttäuschen Sie, wo immer es nur geht! Und enttäuschen sie natürlich auch sich selbst. Nur dann ist Platz für neue, wichtige Enttäuschungen.

* Kann man bspw. in einem Welt-am-Sonntag-Essay behaupten: die Entnazifizierung konnte Deutschland erfolgreich enttäuschen?)

Share
Leave a Comment

Stimmen zu Julia Engelmann

Miley Cyrus: Ich frage mich, wieso eine Generation, die den Imperativ beruflich alles tun und können zu müssen anscheinend klaglos angenommen hat, denn nun auch noch im Privatleben alles tun und können will? Kapier ich nicht! Lalala, Wreckingball…

Josef Wagner: Hallo Julia Engelmann, du bist jung und schön und stark, das Sprachrohr einer Generation. Mut ist nur das Anagramm von Glück schreibst du. Und damit schreibst du Mut direkt in unsere Herzen hinein. Unser Land braucht mehr mutige, stolze, junge, deutsche Mädchen wie dich, mit deiner Alabasterhaut, in die ich meine altersgilben Zähne gerne…lechz…fasel…fasel…lechz.

Helmut Schmidt:
Mädel, quatsch nich, mach! *Paff*

John Keating: Carpe was? YOLO, Alter! YOLO!

Karl Marx: YOLO, das ist Leben, das ist Ausleben, das ist Erleben, das ist über den Verhältnissen leben, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.

Marcel Reich-Ranicki:
Das ist nicht Goethe! Pfui Deibel! Und wie sich das hier unten dreht, schrecklich!

Franz Kafka: Auch ist das nicht vielleicht YOLO, wenn ich sage, dass ich den Tag nutzen möchte. YOLO heißt, dass mir dieser Wunsch ein Messer ist, mit dem ich in mir wühle.

Theodor W. Adorno: YOLO? Falsches Leben im Falschen…würd ich sagen.

Alter Indianer:
Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass..ach, fuck…YOLO!!!!!

Eine junge, blonde, hübsche Frau: Hallo, ich bin Studentin. Oohhhh. Psychologie. Ah, ja gut. Und ich habe ein Gedicht geschrieben, das sich glücklicherweise nicht reimt, da es sich auch nicht reimen muss! Sonst muss aber alles, denke ich, auch ich! Aber das ein Andermal. Achtung!

Ich bin jung, ich bin blond, ich bin hübsch
Ich bin sympathisch und habe Talent
Ich weiß wahrscheinlich um eine gute Pose
Ich kenne Wörter und natürlich Pathos
Ich möchte etwas sagen und tue es auch
Ich fühle mich beengt und frei zugleich
Ich fühle Etwas, das ich sagen muss und zwar:
Ich möchte…Ich…möchte…Ich möchte…
auf Dächer steigen, die höher sind als Hochhausdächer,
höher als die in Berlin oder Frankfurt,
von da oben möchte ich die Sonne sehen
ganz nah, ganz groß, ganz warm.
Und wenn Konfetti rieselt, auf der Fete,
die mir beweisen soll, dass ich doch Mensch bin,
dann werd ich ganz still, weil mein Herz schlägt, ganz laut.
Und dann eben Sinn kommt, der sonst nicht da ist.

Wieso nicht einfach mal leben?
So richtig, so vage richtig?
Ich möchte…Ich möchte…Ich möchte…
frei sein, indem ich Zwang mit Zwang ersetze.
Zwang zu leben!
Zwang zu mehr!
Doch schon bald wird mein Begehren kalt, weil die Bilder
in den Broschüren bunter waren – wie immer
und auch wenn man sie ins Feuer wirft
so richtig warm wirds nicht.

Macht der Mensch sich überflüssig?
Hört!!! Man lebt nur einmal!
Man lebt nur einmal!
Lebt nur einmal!
In einer Gesellschaft, die Angst hat, sich selbst zu überholen.
Dort wo Stillstand
vielleicht die letzte Chance ist
gehört zu werden.
Hört doch!!! Man lebt nur einmal!
Man lebt nur einmal!
Lebt nur einmal!
Steht endlich still! Man lebt nur einmal!

Columbo: Also eine Frage hätte ich da noch…muss ich wirklich?

Share
Leave a Comment