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Sprache und so: Enttäuschung

Enttäuschung (die, also weiblich, also empfangend und fürsorglich und fast gleichberechtigt mit der männlichen Form), das weiß man, bedeutet soviel wie Trauer oder Unmut über ein eingetretenes Ereignis, das in einer anderen Qualität/Quantität erwartet oder erhofft wurde. Enttäuscht wird man also, wenn man in die falsche Richtung erwartet/gehofft hat oder aber in die richtige Richtung, die tatsächliche Richtung dann jedoch die Falsche war, oder aber, wenn man einfach gar nicht erwartet/gehofft hat, dass man Falsch liegt und es dann doch tut, oder wenn mann annimmt, dass es gar kein Wahr oder Falsch gibt, doch dann in diesem kleinen Textchen erfahren muss, das dem doch so ist – enttäuschend, nicht wahr? (Wahr ist – nebenbei bemerkt – natürlich alles was hier behauptet wird) Enttäuschung, das weiß man heutzutage auch, weil es irgendjemand irgendwann mal getwittert hat, bedeutete früher einmal – im 19. Jahrhundert oder so – von einer Täuschung befreit worden zu sein, synonym auch desillusioniert zu werden, etwas Positives eigentlich. Hoppla! Das ist ja schizophren – und zwar nicht schizophren im krankeitsbildlichen Sinne (das ist nämlich relativ kompliziert), sondern im Sinne der polemischen Verwendung in halbjournalistischen Pamphleten mit der Bedeutung: voll widersprüchlich und zwar so arg, dass man verrückt werden könnte – boah!

Die Enttäuschung ist ein schizophrenes Wort und der Mensch des 21. Jahrhundert ist bereits daran verrückt geworden. Enttäuschung entmutig ihn, statt ihn frohlockend aufjauchzen zu lassen und fixiert ihn damit in einer paradoxen Weltwahrnehmung – voll mies! Es ist anznunehmen, dass der machthabende Klüngel (welcher weiß man nicht so genau) irgendwann die Umdeutung des Wortes Enttäuschung ins Negative veranlasst hat, damit der regierte Mensch Enttäuschung tunlichst vermeidet, er also stets getäuscht vor sich hin lebt, er sich natürlich weiterhin nach Enttäuschung sehnt, diese aber natürlich nicht mehr begrifflich fassen kann und somit voll schizophren wird und bei Saturn einkaufen geht – voll gemein! Dies erklärt die guten Wahlergebnisse bspw. der CSU in Bayern, wo die Enttäuschung einfach nicht eintreten will, obwohl es genügend Gründe dafür gibt (CSU-Mitglieder). Überhaupt: Welche Rolle die heutige Politik in der Enttäuschungsmechanik der Deutschen spielt, lässt sich nur schwer sagen. Merkel als auch Gabriel sind exzellente Täuscher und Enttäuscher und damit genauso schizophren, wie die Gesellschaft, die sie gestalten, von der man übrigens auch nicht so genau weiß, wie enttäuscht sie eigentlich wirklich vom Nationalsozialismus ist* und damit auch nicht, ob sie überhaupt bereit für weitere Enttäuschungen ist. Schwierig. Wenn man jetzt noch ein Fazit ziehen möchte, weil man ja aus allem Denken immer einen Zweck oder ein griffiges Lebensmotto ableiten sollte, dann könnte man raten: Enttäuschen Sie, enttäuschen Sie, enttäuschen Sie, wo immer es nur geht! Und enttäuschen sie natürlich auch sich selbst. Nur dann ist Platz für neue, wichtige Enttäuschungen.

* Kann man bspw. in einem Welt-am-Sonntag-Essay behaupten: die Entnazifizierung konnte Deutschland erfolgreich enttäuschen?)

Published in# ArchivFragmentarium

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