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Über: Das Weltgeschehen I

Manchmal denke ich mir so, wenn ich aus dem Fenster in die majestätischen Schluchten der Rocky-Mountains blicke und an meinem Zigarrenstummel herumspeichele, dass ich eigentlich, tief drin, tiefer drin als bspw. ein Spreisel (man könnte auch Splitter dazu sagen), tiefer drin als manch jeder vaskuläre Dildo dieser Welt, tiefer drin als ein Stückchen Kartoffelgratinverbranntes in der Speiseröhre, dass ich mir so tief drin manchmal gerne einen khakifarbenen Anorak anziehen und Kinder anmotzen möchte. Nicht, dass es mir dabei allein um den Style ginge, diese lockere Mode der Selbstvergessenheit, des „unwichtig, was kommt, so wichtig wird das nicht mehr“, dieser Gewissheit, dass alles total egal ist, dieser altersmilde, gemütliche Zynismus, der sich auch gerne in Nicht- oder Protestwahlen äußert, dieses, dann doch wieder Generation-Y-typisch-modische: Alles ist relativ und von daher auch irgendwie relativ wurscht. Das ist natürlich nur ein Aspekt. Am wichtigsten erscheint es mir, Kinder anzumotzen, weil die immer so lustig reagieren und zwar gar nicht so oft mit – ist ja auch ein Klischee – Weinen, sondern mit ulkigen Grimassen und Morddrohungen oder sie werfen gleich mit ihren kleinen Wurfmessern, die sie stets in ihren kleinen Söckchen verstecken um sich oder sie trommeln ihre Armee von Ratten, die sie seit Jahrhunderten im urbanen Untergrund verwalten, um unliebsame Erwachsene loszuwerden wie bspw. Uwe Barschel, wie das Kinder eben so machen. Das – also das Kinder anmotzen – ist eigentlich der Premiumwunsch hinter meinem Modewunsch, es ist eine Premiumhandlung und ein Premiumgefühl, ganz toll. Ich persönlich finde Kinder mittlerweile übrigens viel menschlicher als vorher, auch wenn sie viele andere Menschen auf dem Gewissen haben. Nachdem ich vermehrt hinfalle, Dinge vergesse, überraschend häufig nuschele und auch immer öfter an einen durchgeführten Spontanmord denke, ist auf irgendeine Art und Weise eine Annäherung geschehen, eine neue Form der Empathie für diese – dem Anschein nach – vormenschlichen Existenzen (obwohl sie natürlich schon mittendrin sind im humanen Universum, schon vorgeburtlich von Kopf bis Fuß auf Mensch eingestellt sind).

Manchmal frage ich mich aber auch, wenn ich mit einem Schnuller gemütlich unter dem Heizkörper liege, warum man selbst im Zustand einer sehr leichten, popalligen, fast nicht ernstzunehmenden Erkältung umgehend in einen Zustand endloser innerer Verdunkelung und Verzweiflung verfallen und alles und jeden verachten muss, das oder der sich wagt, sich in der Peripherie aufzuhalten und das mit ganzem Herzen, mit einem unbekannten jedoch, das hinter dem eigentlichen sitzt und sich nur hervorwagt, wenn virale Prozesse das Immunsystem plagen, einem Herzen im Hinterzimmer des Herzens (Doppelherz zum Beistift, äh Bleispiel), einem verräterischen, das so lange wutschnaubend um sich pocht, bis das letzte bisschen Verstand und Vernunft aus der verschwitzten Wundbirne entwichen ist und alles, was vor dem Infekt sich noch als angenehm und launig herausstellte, nun in einer morastigen Lache der Stagnation vor dem inneren Auge restlos versinkt, wenn nicht sogar verschlungen wird? Man könnte auch Fragen: Warum fühle ich mich während eines Männerschnupfens (obwohl der Frauenschnupfen, entgegen böser Frauenzungen, mindestens genauso schlimm subjektiv verarbeitet wird) immer so blöd und wieso ist dann immer alles so blöde, wäh? Ja, das frage ich mich wirklich.

Zudem habe ich vor kurzem entdeckt, wie man wieder etwas mehr PÄPP!® in das eigene, von einem Kahlschlag des Alterns bedrohte, langsam – vom ideellen her – im Sande verlaufene, nicht nur auf sich selbst gemächlich überflüssig wirkende Leben bringen kann, und zwar: Das T-Shirt vom Vortag an einem Gammelsonntag noch einmal verkehrt herum anziehen. Das lädt nicht nur in einer kris-krossschen Manier zum „jumpen“ ein, alleine schon wegen der Referenz, sondern stellt auch eine wunderbar erheiternde Simulation des subjektiven Erlebens des eigenen Lebens in der eigenen fortschreitenden Raumzeit dar, nämlich, dass sich das Außenherum manchmal von einer irgendwie bekannten, aber doch leicht abweichenden Perspektive zeigt, während es aber genauso muffig bleibt wie zuvor. Das macht einfach Laune. Und außerdem sieht es sehr gut aus.

… (Fortsetzung folgt)

Und hier dat Audio:

Published inetwas Humor

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