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Autor: Moschauer

Über: Die Zukunft

Es gibt mittlerweile amerikanische 3D-Drucker, die Pizza ausdrucken können und das passiert nicht so, wie man sich das natürlicherweise vorstellt: Das Bild einer Pizza auf Papier und einige Probanden, die dieses Produkt verköstigen und sagen “hm, da schmecke ich Kariertes” oder “hui, ein Schuss Liniertes ist auch dabei” oder “Butterbrotpapier, eindeutig!” und man ist froh darüber, dem Fortschritt gedient zu haben. So nicht, nein, nein. Die Pizza ist tatsächlich echt und essbar und sieht aus, wie Pizza normalerweise nicht aussieht, also eckig, der Käse ähnelt Zahnpasta (wahrscheinlich Colgate, könnte aber auch Aronal, Elmex, Blendamed oder Sensodyne oder Sensident oder Odolmed 3, Blendax, Blenda-A-Med, Blend-A-dent, Dentagard, Dr. Best, Ajona oder Perlodont oder Paradontax oder Perlweiss oder Putzi [Zahncreme für Kinder: Gegen Zahnschmutzi], Theramed oder Rot-Weiss oder Silca oder Swissdent sein), die Tometansoße zähflüssig wie Sirup und Belag fehlt grundsätzlich. Eine Pizza also, wie sie Giovanni, der Pizzabäcker, der im Kabel 1 Format “Abenteuer Leben” die unzähligen Vergleiche von frisch gebackener mit tiefgekühlter Pizza durchführt und immer wieder sagt: “Bah, das isse keine Pizza!”, nicht für gut befinden würde. Laut Kabel-1-Redakteuren besteht das Abenteuer Leben darin, Gerichte möglichst in XXL-Größe herzustellen, auch wenn sich dies nur äußerst schwierig gestalten lässt und man bspw. in einer sehr aufwändigen Prozedur – unter Zuhilfenahme von 12 raubeinigen, aber liebenswerten Chaoten – eine gewaltige gußeiserne Pfanne schmieden muss, in der dann auch eine Riesenwurst – die von einem grobschlächtigen, sympathischen Metzgermeister sorgfältig zusammengebatscht wurde – Platz finden kann, obwohl es sich bei diesem Unterfangen nüchtern betrachtet – im Gegensatz zum üblicherweise volltrunkenen, verlodderten aber goldherzigen Kabel 1-Zuschauer – um hirnschmelzenden Unsinn handelt, den ein Zuschauer, dessen Hirn gerade nicht schmilzt – niemals sehen möchte – ehrlich wahr. Falls es ein Abenteuer sein sollte, eine Riesenbratwurst zu braten, hat die Literatur diesen Begriff seit Jahrhunderten falsch verstanden und wir haben aus mangelnder Weisheit und aus mangelndem Wissen heraus übersehen, dass Robinson Crusoe natürlich auf einer riesigen Scheibe Bierschinken gestrandet ist, sich König Arthus mit Rittern der Tafelschokolade umgab und es sich bei den Schriften von Mark Twain um die Abenteuer von Tom Soda und Hackbrötchen Finn handelt.

Zum Glück ist jedoch vor kurzem der Deutsche Meister im Stadt, Land, Fluss gekürt worden – von Kai Pflaume, wem sonst? Kai Pflaume ist der einzige deutsche Moderator, dem es routiniert gelingt, einem langweiligen Thema ein frisches Pfund Langeweile oben draufzupacken und dabei gelegentlich noch verkappte, von zahmer Altersgeilheit beseelte, wahrscheinlich charmant gemeinte aber doch nur auf hübsche Titten abzielende Komplimente an die Frau zu bringen. Zudem ist er der einzige TV-Mensch (das Mensch muss man betonen, sonst wird es vergessen), der gequält lächeln kann, ohne es wirklich so zu meinen. Unverzichtbare Qualität im deutschen Fernsehen. Jedenfalls gibt es jetzt endlich einen deutschen Meister im Stadt, Land, Fluss und wenn man schon dabei war, hat man einfach auch noch den deutschen Meister im “Vorschlaghammer an den Kopf halten” ausraumbolt und damit den jahrzentelangen Vorschlaghammerstreit in Deutschland endgültig beendet. Ein Herzliches Beileid geht daher an die Vorschlaghammerbrüder in Eisenach, die bereits seit 20 Jahren Vorschlaghämmer an ihre Birnen halten und trotz dieser großen Tradition – dem Wahrzeichen von Eisenach – nicht einmal zur Meisterschaft eingeladen wurden. Vielleicht klappt es aber mit einem Titel in der zweiten, eisenachischen Paradedisziplin: Stumpfsinn! Toi, toi, toi!

Als Säugling weiß man – und das ist ein großer Vorteil – nur sehr wenig mit Vorschlaghämmern anzufangen und bleibt somit in den ersten Lebensjahren von den meisten Streitigkeiten des Erwachsenenlebens verschont. Man ist mit anderen Dingen beschäftigt. Basale Lebensplanung, Mordlustigkeit und lästigen Krähen die Augen auspicken. Ich frage mich manchmal, weshalb es so wenigen Säuglingen im späteren Leben gelingt, andere Menschen zu töten, obwohl es ihnen doch von Grund auf ein veritables Bedürfnis ist. Klar, es gibt Ausnahmetalente, aber nur nach entsprechender Vereinsförderung. Aber der Durchschnittsbürger? Der bringt es kaum auf eine angemessene Anzahl an Morden und nur die allerwenigsten schaffen den Sprung vom Killerbaby zum Killerbubi, ohne fremde Hilfe. Sträflich vernachlässigt wird etwa die öffentliche Betreuung zukünftiger Killer, vor allem in Kindergärten und Kitas. Stattdessen soll den Müttern die Erziehung zum Mörder nun wieder selbst in die Hände gelegt werden, was auf Dauer keine Lösung sein kann, denn seien wir mal ehrlich: Den meisten Müttern fehlt der Biss. Da wird höchstens mal der Ehemann vergiftet oder einer ehemals guten Freundin, mittlerweile Feindin, der Kopf abgetrennt, oder einer anderen Frau beim Shoppen im H&M der Arm abgebissen, wenn dieser sich zufällig in dieselbe Bluse verheddert hat. Wieso wird denn nicht mal ein Autor beseitigt, der offensichtlich klischierte Frauenwitzchen macht? Das wäre doch mal ein Anfang. Und dann weiter in die Führungsetagen der Republik. Aber nein, das bringen moderne Mütter nicht. Wie soll eine Gesellschaft funktionieren, in der keine Mörder herangezogen werden? Fragen, die sich die moderne Politik nicht stellen will.

Zur Not hat man ja immer noch den Kapitalismus. Der sagt ja unter anderem: Du darfst! Eigentlich sagt er auch: Du darfst nicht nur, wenn du kannst, du darfst vor allem wollen und das auch – oder ganz besonders – wenn du nicht kannst! Du darfst alles wollen, was du willst, das ist dein natürliches, unveräußerliches Recht. Du darfst so bleiben wie du bist: Ein Woller! Ein bedingungsloser Woller! Dementsprechend schief beäugt er einen, wenn man mal nichts will. Der moderne Kapitalismus sagt dann bspw.: Uncool! Schau dir mal dieses übersexualisierte 16-Jährige Mädchen an, willst du nicht auch so sein? Kauf dir Hotpants! Oder er sagt: Was sie dringend in ihrem Auto benötigen, ist eine Saftpresse, die ihren Namen kennt und ihnen die Füße massiert, während sie ihnen Kafkas Verwandlung (VW-Beetle-Version) vorliest. Ein indianisches Sprichwort beschreibt das Wesen des Kapitalismus ziemlich genau und zwar bezeichnet es diesen als einen Spiegel, der nicht so richtig funktioniert, da die Benutzung einerseits kostenpflichtig ist und in diesem kein Spiegelbild zu sehen ist, sondern 24 Stunden lang Werbung – auch regelmäßige Sonderangebote von Spiegeln bei Ikea. Zumindest ist der Kapitalismus ein guter Ersatz für eine fehlende Mörderförderung. Zwar tötet er nicht (jedenfalls eher selten im Westen), aber er macht arm – zumindest den Großteil – was man ja immerhin als sozialen Mord durchgehen lassen kann. Alles prima.

Wogegen der Kapitlismus allerdings wohl nichts machen kann, ist die Schwemme von 3,4 Millionen Autoren die über das Reisen mit der Bahn schreiben und dies auf offenen Lesebühnen oder in geschlossenen Anstalten vortragen. 3,4 Millionen! Das ist eine erschreckend hohe Zahl. Was ist los in der Sonderschule der Kleinkunstschriftstellerei? Wie kann man sich so eine umfassende Geschmacksverirrung erklären? Der unheimliche Einfluss der deutschen Bahn auf das Leben der Deutschen? Oder ist es vielmehr der unheimliche Einfluss der deutschen Bahn auf das Leben einiger Deutscher, die meinen, einer ihrer Vorfahren sei in Goethes Skrotum herangereift und wenn nicht das, dann zumindest in jemandes Skrotum, der Goethe immerhin verehrt und wahrscheinlich auch einmal gelesen hat. Sind es thematische Nöte, sind es Ideennöte, sind es zu hartgekochte Weichbirnen, die aufplatzen und neben Hirnresten einen neuen Bahntext offenbaren? Schön wärs, aber eigentlich weiß man es nicht genau.

Genau weiß man nur, dass in Zügen der ODEG und vor allem in deren Toiletten Knöpfe aus dem Raumschiff Orion installiert sind und der Bordcomputer minütlich darauf hinweist, dass die Toilette gerade besetzt ist, wenn sich jemand darin zum Urinieren oder Koten befindet. Das ist fast so beeindruckend wie 3D-Drucker, die viereckige Pizza drucken können. Wenn man diese jetzt auch noch in Zügen der ODEG ausdrucken könnte und der Bordcomputer einen guten Appetit wünschen würde, dann stünde einer großartigen Zukunft nichts mehr im Wege. Aber davon ist die Menschheit ja noch Lichtjahre entfernt.

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Kunstkritik: Then Dog said…

“Irritierend” oder “provokaierend”, geben Kenner von sich, wenn sie das neuste Werk von Madelaine Beurdeuf in Augenschein nehmen dürfen. Mit “Then Dog said, let us make man in our image, to be like us” ist der französischen Grand Dame wieder einmal der ganz große Wurf gelungen. Kritiker und Fans sind begeistert, fassungslos und in siedender Ekstase garen die Komplimente zu einer schmackhaften Gesamtkomposition des uneingeschränkten Lobes zusammen. Der rastlosen Beurdeuf, die – wie allseits bekannt – im Alter von acht Jahren bereits ihr Elternhaus verließ, um in einer Mülltonne zu leben und sich ausschließlich von Keksen zu ernähren, ist es wieder gelungen den Rezipienten direkt das Sinnieren in den Gedankenapparat zu pusten. Wie ihre in den neunziger Jahren populäre und von Schärfe geprägte, antiamerikanische Aktionskunst – wir erinnern uns alle an die unvergesslichen Szenen am Champs Élysées, als Beurdeuf nackt versuchte Toastbroat in ihren Pobacken aufzubacken oder in einem mit Mayonnaise gefüllten Planschbecken das Ertrinken eines protestantischen Kindes simulierte – trifft auch ihr neuestes Werk das Kerngehäuse der modernen Zeit und dürfte vor allem im amerikanischen Raum auf erneute Resonanz stoßen, wenn auch auf voraussichtlich äußerst negative.

Dabei kam es der mittlerweile 86-jährigen Großkritikerin, übrigens eine Koryphäe der heutzutage kaum noch angewendeten Gelenkwischmalerei, nicht in erster Linie auf die Herausforderung engstirniger Zeitgenossen an, wie sie selbst bei der Eröffnungsausstellung in Paris anmerkte, obwohl das auch immer Teil ihrer Kunst war. Vielmehr sei ihr neuestes Werk ein wichtiges, ein immenses Anliegen: Der Mensch solle wieder lernen zu hinterfragen, um seine gemütlichen, aber rostigen Denkstrukturen aufbrechen und letztlich neu gestalten zu können. Dass sie sich damit voll und ganz gegen den Mainstream der Kunstindustrie stellt, ist ihr bewusst und sie tut es aufrecht wie ein alter, knochiger Fels, der einfach nicht auseinanderbröseln will, egal wie hoch die Wellen der Empörung schlagen. Diese lange trainierte Haltung des störrischen Esels ist nicht nur bewundernswert, es ist ein nötiges Aufbegehren des Humanen, in einer Welt, die inhuman geworden ist.

“Then Dog said, let us make man in our image, to be like us” erzählt von der Geschichte des zweifelnden Menschen in einer undurchsichtig gewordenen Lebensumgebung. Unweigerlich tauchen beim Betrachten des Werkes existientelle Fragen auf, die eine umgehende Beantwortung geradezu erzwingen. Wie ähnlich ist der Mensch dem Schoßhund wirklich? Ist Schappi vielleicht die vernünftigere Alternative zu Pferdefleisch-Lasagne? Wie fremdbestimmt ist der Mensch in einer Welt, die ihn ständig zum Sitzmachen zwingt? Kann der Mensch sich irgendwann von der Leine, die ihn seit Anbeginn der Schöpfung an einen metaphysischen Holzpflock bindet, losreißen? Kann der domestizierte Mensch irgendwann wieder frei sein? Natürlich wird auch ein kritisches Licht auf die Schöpfungsgeschichte geworfen – bei der religionskritischen Beurdeuf gehört dies zum guten Ton. Das Verständnis von Gott muss nach der Erfahrung dieses Werks völlig neu gedacht werden. Gott etwa als der ständig heulende Schoßhund, der mit dem Schwanz wedelt und Sitz macht und Platz, um das nächste Leckerli zu bekommen. Gott, der das Universum beim Gassigehen erschaffen hat, nebenbei, ohne die allumfassende Liebe, nach der sich die Menschheit so sehr sehnt. Gott als kläffende, nervtötende Fußhupe des Universums.

Tiefe, fragwürdige Abgründe reist Beurdeuf mit ihrem Werk in das Selbstempfinden des Rezipienten und trifft ihn dort, wo er am empfindlichsten ist: Im auseinanderfallenden Herzen, das im Wind der modernen Welt davon getragen wird. Doch gibt Sie dem Menschen auch einen Plan an die Hand, eine Chance zur Rückbesinnung. Der Mensch ist schließlich mehr als ein Stück Software, das der ständigen Gefahr ausgesetzt ist, ungefragt, zu den unpassendsten Zeitpunkten, geupdatet zu werden. Der Mensch muss wieder lernen, enervierend herumzubellen, in einem Zeitalter, das droht ihn selbst zu überholen. Der Mensch muss wieder lernen stehenzubleiben, an der Leine zu rütteln, an dem ein oder anderen Bäumchen zu schnüffeln. Der Mensch muss wieder sorgloser mit seiner eigenen Biologie umgehen, einfach mal ein Häufchen machen, wenn ihm danach ist. Und schließlich muss der Mensch die Fährte aufnehmen, in eine gütliche, gerechte Zukunft für sich und seine Artgenossen. Danke Madelaine für diese Einsichten. À la bonne heure, Madame Beurdeuf, à la bonne heure!

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Promiskuität

Betrachte meine Schenkel
Sie sind ganz klamm und kräftig
Lust auf ein wenig Geplänkel?
schnell und saftig heftig?
Schick mir deine Vorhut,
ich lasse sie herein
du bist heut der erste,
der erste von zweien.

Vergnüglich mach ichs dir
mit meinem Gartenschlauch
ich gieße da, ich gieße hier
die Primeln gieß ich auch.
Bist interessiert an Besamung?
Ich: Der Gärtner der Wahl,
alle Beete erbeten
meinen Gartenkrallenstahl

Klamme Schenkel gibt es viele
von der Masse her
sie lecken sich in Dielen
lassziv, im Atmen schwer
sie lutschen an Stilettos
sie beißen in Gewebe
sie arbeiten mit Dildos
teilweise in der Schwebe

Bsp.: swing set of love
Bsp.: swing set of love

Auch Bengel gibt es viele
die rammeln wie die Tiger
mit der Potenz der Jugend
dröhnend, wie die Düsenflieger
in die Hitze geiler Betten
fallen Bomben, nichts zu retten.
Tag für Tag und Stich für Stich
doch fragt man sich:
Vermissen sie denn nicht den Lohn?
den Eheleute stets erhalten
also das hübsche Sümmchen Hohn
zusätzlich zu den Falten
das man so gern in Ehen teilt
Diese süße, quälend schöne
psychische Gewalt?

Fehlt das dem Bumsprotz und
der Prötzin nicht auf Dauer?
Man weiß es nicht und kann nur raten
werdet endlich schlauer!

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Musikkritik: Electronical-Parsons-Gettysburg [364] !Indeed! #crank

Sie sind wieder da, die zwei lässigen Electro-Boys aus Stuttgart mit den viel zu engen Hosen und den viel zu großen Sonnenbrillen und sie haben die stärkste Single des Jahres im Gepäck: “Fiftyfive-Reverse-Rehearsal on a chrystal-windy-bay:Fuck2012@World oder ganz einfach Electro” heißt die heiße Scheibe aus dem Stuttgarter Untergrund, die am besten zu einem gut gefüllten Spucknapf mit ein wenig Erdbeerkompott zu genießen ist. Die beiden sympathischen Schulabgänger beweisen mit ihrem neuesten Hit, dass es möglich ist, anspruchsvolle elektronische Musik zu kreieren, die gleichzeitig einen tanzbaren Beat vorzuweisen hat. What? Yes!

Besonders nach dem atmosphärischen Intro boosten die Bässe deftig ab, bratzen Betonpfeiler auseinander und fallen nach einer ordentlichen Trommelfellmassage unprätentiös – fast schon natürlich – wie Leprapatienten in sich zusammen. Ohne auch nur ein Anzeichen des Widerwillens wiegt sich der tanzhungrige Körper in den feinen Track-Middle-Line-Döderns, die schließlich einen grandiosen Backspin zurück zu den harten Chores und Cores zurücklegen, die am Ende des Stücks erst so richtig einschlagen. Das gefällt dubstebbenden Hardcore-Technotronikern genauso wie minimalhoppelnden Househasen. Epileptical-Space-Assfuck [110] ?what? #nonsense nennen gerade daher ihr Stück bevorzugt schlicht und einfach “Electro” – es verbindet über Genresubgrenzen hinweg wie richtig guter Fugenkleber von Pott®.

Zwischendurch ertönt immer wieder die sanfte Stimme von Cort Bequel, dem Ausnahmesänger, der mit den beiden schwäbischen Analphabeten alleinig für diese Single in Kooperation trat, um das Gesamtwerk schlüssig zu einer runden Sache zu säuseln. Mit Lines wie “Electro is for genius” betonen die beiden außergewöhnlich großhodrigen Baraushilfen ihre provokative Meinung, dass elektronische Musik nicht nur für geistig verlodderte, mittels vermeintlich sinniger Aussagen sich selbst verbrämende Anti-Menschen, sondern durchaus auch für den gesunden Homo Sapiens geeignet sei und kämpfen damit nicht nur gegen den gesunden Menschenverstand, sondern auch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse an. Für alle Fans von Drogen und seltsamen Geräuschen ist also auch diese Platte ein muss. Geht raus und greift sie euch!

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Ein gutes Gedicht…

ist nett zu lesen
oder gar sehr
hat mindestens zehn Buchstaben
wahrscheinlich mehr

das Wort “gar” tritt öfter auf
gar die meiste Zeit
halbgar kommt gar gar nicht vor
die Idee ist gut…->

Am tollsten ist es
fürs Gedicht
das Thema bleibt im Hintergrund
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
eiert eiert eiert
drum herum
um dann zu sagen: Paff, piff, puff!
oder: Salamander, Salamander, Wuff!
oder: Nichts!
oder: Goethe ist mein Held!
oder: Gewichst ist gewichst!
Hauptsache der Schlussvers sitzt.

Ein guter Plan dagegen
– jetzt mal ehrlich –
ist es groß zu schreiben
was kleingedruckt im Leben sitzt
was man so nicht sagen kann
doch aus jeder Pore schwitzt
und dieses dann zu unterstreichen
das wär doch ein Lesezeichen!

Zum Beispiel
da gibts viel
den Kaffee mit der Oma,
dann der Nebel, Herbstaroma,
noch was über geile Teens
und über viel zu enge Jeans
Erwachsenwerden, Pubertät
wie man sich stets selbst verrät
über Herzschmerz, klar was sonst
und wie du so im Wohnheim wohnst
Alles easy
one two three
fertig, endlich, Poesie!

Ein gutes Gedicht
das weiß der Dichter
beginnt mit Verve
und endet schlichter
schludrig, scheiße, Hudlig
bleibt – na toll – ner Antwort schuldig
belässt den Leser im Naiv
und endet plötzlich
ungewiss
im besten Fall kursiv

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