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Kategorie: Allgemein

Das zentrale Gut der deutschen Kultur – die Lösung ist so nah!

In verrauchten Eisenacher Bierstuben, schwäbischen Brotzeitkellern und nordrheinwestfälischen Plörrevernichtungsanlagen wurde wahrscheinlich des öfteren seit 45 über dieses unbedingt wichtige Thema für den kleinen und etwas größer als kleinen Geist diskutiert, doch seit dem aufkeimen des Bazillus AfD ist diese unbedingt wichtige Frage nun auch endlich wieder im Mainstream angekommen: Was ist eigentlich deutsche Kultur? Und noch viel wichtiger, wie schützt man diese? Glücklicherweise gibt es hierauf endlich erste Antworten.

Frau Özuguz bemerkte am 14. Mai (drei Monate also, bevor Gauland seine Kanalschleuse öffnete, um daraus dunkelbraune Altmännergülle in die Öffentlichkeit entweichen zu lassen und kurz nachdem Sam, der Adler aus der Muppetshow 1 von der deutschen Leitkultur schwafelte), dass „eine Kultur jenseits der Sprache schlicht nicht identifizierbar“ sei und weiterhin richtig bemerkte, dass, wenn man versuche, die deutsche Leitkultur inhaltlich zu füllen, „die Debatte ins Lächerliche und Absurde“ und in „Klischees vom Deutschsein“ abgleite. Explizit also in die reichlich lächerlichen Klischees, dass Deutschsein so etwas sei wie Handgeben, Oktoberfest oder Musik von Johann Sebastian Bach.

Ganz richtig bemerkte sie weiterhin, dass Kultur ständig im Wandel ist und es daher natürlich keine schriftlichen Anleitungen für kulturelles Handeln gibt. Ebenso, dass es sich beim Grundgesetz nicht um ein kulturelles, sondern ein politisches Leitbild handele, unter das man sich einzuleben habe. Es ging Özuguz also um einen Gesellschaftsvertrag, mit dem Fundament des Grundgesetzes und gleichberechtigter Teilhabe, statt einer mysteriösen Leitkultur, die mal eben in 15 lächerlichen Thesen auf – als Tageszeitung verbrämtem – Klopapier veröffentlicht werden kann.

Klingt doch erstmal ganz vernünftig. Aber was mit Vernunft zu tun hat – so viel kann man vielleicht sagen – das ist dem Deutschen erstmal nicht so geheuer und so fühlt sich dieser in seiner wurstfressenden, biersaufenden Eigentümlichkeit beleidigt. Der Rheinländer reklamiert, dass nur Deutscher ist, wer sich einmal im Jahr bescheuert anzieht und Abwasser trinkt. Beim Sachsen ist es der unerträgliche Dialekt, der deutsch machen soll, beim Bayern sein bierbräsiges in Maßkrüge glotzen und später kotzen. Bei Gauland bedeutet deutsche Kultur, Integrationsbeauftrage in Anatolien entsorgen zu wollen. Und Höcke…naja…der hätte wahrscheinlich einfach gern so eine schicke SS-Uniform. Keiner scheint auch nur annähernd eine schlüssige Definition für sein Deutschsein zu finden, an das sich der Migrant anpassen soll. Wenn schon, ist Deutschsein regional und wie viel der Bayer mit dem Sachsen zu tun haben will oder der Mecklenburger mit dem Schwaben, das bleibt der Phantasie des Lesers überlassen.

Theo Sommer, einer der wenigen, hat es dann aber ernsthaft in der FAZ versucht, eine Definition zu finden und schreibt:

Kultur ist mehr als Sprache, mehr auch als politische Kultur, Verfassungspatriotismus also und Grundgesetztreue. Sie ist ein Mosaik aus der Literatur, der Musik, der Kunst und der Philosophie eines Landes, das seinen gesamten geistigen und ästhetischen Raum umfasst. Auch der Glaube prägt – und selbst jene, die keine Glaubenschristen mehr sind, ob sie dies wahrhaben wollen oder nicht, noch immer Kulturchristen – bis hin zum Vaterunser am Grab. Dazu kommt der Alltagsraum von Empfinden und Benehmen, vom Bauen und Wohnen, auch von Essen und Trinken. Tradition und Geschichte überformen dies alles.

Keine schlechte Definition. Allerdings definiert man damit keine Leitkultur, unter die man sich zu fügen hat, um vielleicht irgendwann mal als Deutscher anerkannt zu werden (was unwahrscheinlich ist, denn die Kulturverteidiger, die einfach keine Fremden bei sich haben wollen, holen spätestens beim erfolgreich angepassten Migranten der 3. Generation das fehlende deutsche Blut als letztgültigen Nichtzugehörigkeitsgrund aus ihrer Gesinnungshandtasche). Die bessere Idee ist daher nach wie vor der Gesellschaftsvertrag. Eine Leitkultur ist offensichtlich „jenseits von Sprache“ KAUM zu identifizieren. Vor allem ist dies mehr als unnötig.

Dennoch zieht noch einmal Hoffnung auf, für die Kulturverletzten und – verlassenen, für die Freunde Deutschlands und des Deutschsseins. Die Lösung der ganzen Misere lag dabei so nahe, aber doch so fern. Sie befand sich die ganze Zeit direkt (zumindest manchmal) unter unserer Nase, dort, wo jedoch niemand gerne hinblickt (zumindest offiziell). Das zentrale deutsche Kulturgut befindet sich in einem Raum des Tabus, des Unausgesprochenen. Nur hinter verschlossenen Türen und mit grobschlächtigem Gelächter, wird sich darüber ausgetauscht. Nur mit äußerster Scham und gleichzeitigem absoluten Wissen über die kulturelle Geborgenheit, die sich in Gesprächen über dieses Gut immer und immer wieder wohlig ums Gebein schmiegt. Das deutscheste Kulturgut aller Zeiten, es wird lediglich darüber geflüstert, hinter vorgehaltener Hand. Doch jetzt nicht mehr. Jeder soll es wissen, jeder muss es erfahren. Das alle Regionen verbindende, absolut deutsche Kulturgut ist in diesem Lied versteckt:

 

 

  1. Falls jemand nicht wissen sollte, wer gemeint ist:
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