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Jürgen A. Mosch Posts

Über: Das Weltgeschehen I

Manchmal denke ich mir so, wenn ich aus dem Fenster in die majestätischen Schluchten der Rocky-Mountains blicke und an meinem Zigarrenstummel herumspeichele, dass ich eigentlich, tief drin, tiefer drin als bspw. ein Spreisel (man könnte auch Splitter dazu sagen), tiefer drin als manch jeder vaskuläre Dildo dieser Welt, tiefer drin als ein Stückchen Kartoffelgratinverbranntes in der Speiseröhre, dass ich mir so tief drin manchmal gerne einen khakifarbenen Anorak anziehen und Kinder anmotzen möchte. Nicht, dass es mir dabei allein um den Style ginge, diese lockere Mode der Selbstvergessenheit, des „unwichtig, was kommt, so wichtig wird das nicht mehr“, dieser Gewissheit, dass alles total egal ist, dieser altersmilde, gemütliche Zynismus, der sich auch gerne in Nicht- oder Protestwahlen äußert, dieses, dann…

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Kunstkritik: The night, the self, the mystery

Nicht zu Unrecht tost gerade allerorten Begeisterung für Anna Diguera-Florence auf, macht sich Verzückung und Erleuchtung breit, bis in den kleinsten Blickwinkel sogar der kulturverlassenen BRD. Denn mit ihrem neuesten Werk ist der 15-jährigen Photokünstlerin aus Tokio – die Werktags in Kapstadt verweilt und Sonntags immer nach New York fliegt, um einen Käsekuchen zu naschen – der ganz große Coup gelungen. „The night, the self, the mystery“  ist nicht nur ein schillerndes Kompendium an seelischen Zuständen, Hoffnungen, Beschwörungen, Verführungen und Warnungen, es ist weiterhin Zündstoff für die Digitaliselite dieser Welt, die mit dieser Arbeit sicherlich zum Erbeben und Verschütten ihrer Latte Macchiatos gebracht werden wird. Diguera-Florence setzt nämlich vollkraftig in das Zentrum der Postmoderne vor, sticht dort hinein, mit ihrem…

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Über: Volkszorn

Es musste sein, es ist so, es ist einfach so, es ist das große Thema und es wurde diesmal nicht über und daran vorbei geschrieben, sondern einfach abgesabbelt – wie im Kaffeehaus. Und das mit höchstmöglicher Ungenauigkeit. Aber mit sehr viel Stil. Dieses Hörspiel, der Anton Kröger – Superstudio Productions aus Mistelbach, beschäftigt sich mit dem Thema Volkszorn, nicht erschöpfend, nicht ausschöpfend, nicht sehr clever, aber sehr, sehr lange (15:21) und das ist zumindest ein sehr eindeutiges Qualitätsmerkmal. Alle die volkszornig sind, dürfen mich gerne beleidigen und belehren, dass ich ihre Ideologie nicht verstanden habe (aber irgendwann wird es mir gelingen). Alle die nicht volkszornig sind, dürfen sich amüsieren (wenn sie es schaffen) oder einfach zuhören und lernen. Kommentare wie gehabt.…

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Über: Friends Day und abgegrabbelte Hüte

Also ich glaube es gibt nichts schöneres als einen Friends Day auf Facebook. Abgesehen davon, dass es nichts schöneres als Friends und Facebook gibt. Und am allerschönsten sind Facebook Friends, denn diese sind so angenehm unpersönlich, dass sie einen nicht stören, im modernen Selbstdarstellungsselbstgefiste. Obwohl dieses moderne Selbstdarstellungsselbstgefiste schon irgendwie genial ist, in seiner komplizierten Einfachheit, denn man braucht überhaupt nicht mehr die Anerkennung des andren, um ordentlich im Monitorlicht zu masturbieren, es genügt schon die virtuelle Anerkennung, die man sich wunderbar selbst besorgen kann, indem man dem Blödsinn tatsächlich glaubt, den man über, von und um sich herum erfindet. Win-Win also in der Unterhose. Friends Day auf Facebook jedenfalls ist etwas ganz tolles und sicherlich wird jeder dieses einmalige…

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Lookistischer Zwischenruf gegen alles genetisch Nationale

Verzeihung, Verheihung, Verziehung, nur kurz: Manche Leute behaupten zur Zeit ja mal wieder, das Deutsche läge einem im Blut und es ist genauso erstaunlich wie erschütternd wie eigentlich witzig wie derbe eklig und bitter visuell erfahrbar, dass diejenigen, die so etwas behaupten, aussehen, als läge da dem echten Deutschen noch etwas anderes im Blut, als wäre der Genpool da schon lange nicht mehr abgelassen worden, als hätten sich da einige unappetitliche Rückstände gebildet (Kalk, tote Schmeißfliegen, vergorenes Sauerkraut, Hundekacke) und gehalten, die eine unschöne Entwicklung hin zu einem Organismus im Stile eines riesigen Haufens Riesenscheiße beeinflusst haben. Will heißen: Diejenigen, die die Reinheit ihrer Rasse herbeisehnen, sollten sich ins Bewusstsein rufen, dass sie vollends deutlich von außen beobachtbar degeneriert sind,…

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Über: Gewinnspiele

Gewinnspiele, Gewinnspiele, dieses Wort, dieser Ausdruck! Gewinnspiele! Das ist mir aufgefallen, vor Tagen, als ich in der Zeitung blätterte und mein Augenmerk dann auf eine Chipstüte fiel, auf der Stand: Nehmen Sie teil, an unserem Gewinnspiel! Und gewinnen Sie eine Cambridge Satchel. Da ist es mir aufgefallen, zum ersten Mal in meinem Leben, das Gewinnspiel und ich fragte mich, was denn die Motivation sein könnte, an einem Gewinnspiel teilzunehmen und natürlich erhielt ich keine Antwort, aber ich dachte so: Also eigentlich ist ja der Gewinn das Ziel, der Antrieb dahinter. Aber der ist ja keineswegs sicher, der ist ja vielmehr unwahrscheinlich, der ist ja nun wirklich kaum zu kriegen. 1:10000? 1:100000? 1: 1000000? Das ist doch gering. Für mich persönlich…

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An die Stadtverwaltung

Also bitte! Viel zu große oder wahlweise auch zu breite Angestellte in viel zu kleine und damit auch zu enge Kehrmaschinen* zu zwängen – gehts noch? Der Gag ist doch uralt! Den hat ja Bud Spencer in den achtzigern schon geklaut! Wenn das ihre Vorstellung von moderner Unterhaltung sein soll, na dann können Sie auch gleich Gags für Michael Herbig schreiben. So eine Niveaulosigkeit, unglaublich! Ein Wutbürger *Orangefarbenes Bauhof-Fahrzeug mit wirbelnden Besen an der Frontseite. Breite: 45cm.

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Sprache und so: Enttäuschung

Enttäuschung (die, also weiblich, also empfangend und fürsorglich und fast gleichberechtigt mit der männlichen Form), das weiß man, bedeutet soviel wie Trauer oder Unmut über ein eingetretenes Ereignis, das in einer anderen Qualität/Quantität erwartet oder erhofft wurde. Enttäuscht wird man also, wenn man in die falsche Richtung erwartet/gehofft hat oder aber in die richtige Richtung, die tatsächliche Richtung dann jedoch die Falsche war, oder aber, wenn man einfach gar nicht erwartet/gehofft hat, dass man Falsch liegt und es dann doch tut, oder wenn mann annimmt, dass es gar kein Wahr oder Falsch gibt, doch dann in diesem kleinen Textchen erfahren muss, das dem doch so ist – enttäuschend, nicht wahr? (Wahr ist – nebenbei bemerkt – natürlich alles was hier…

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