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Jürgen A. Mosch Posts

Musikkritik: Electronical-Parsons-Gettysburg [364] !Indeed! #crank

Sie sind wieder da, die zwei lässigen Electro-Boys aus Stuttgart mit den viel zu engen Hosen und den viel zu großen Sonnenbrillen und sie haben die stärkste Single des Jahres im Gepäck: “Fiftyfive-Reverse-Rehearsal on a chrystal-windy-bay:Fuck2012@World oder ganz einfach Electro” heißt die heiße Scheibe aus dem Stuttgarter Untergrund, die am besten zu einem gut gefüllten Spucknapf mit ein wenig Erdbeerkompott zu genießen ist. Die beiden sympathischen Schulabgänger beweisen mit ihrem neuesten Hit, dass es möglich ist, anspruchsvolle elektronische Musik zu kreieren, die gleichzeitig einen tanzbaren Beat vorzuweisen hat. What? Yes!

Besonders nach dem atmosphärischen Intro boosten die Bässe deftig ab, bratzen Betonpfeiler auseinander und fallen nach einer ordentlichen Trommelfellmassage unprätentiös – fast schon natürlich – wie Leprapatienten in sich zusammen. Ohne auch nur ein Anzeichen des Widerwillens wiegt sich der tanzhungrige Körper in den feinen Track-Middle-Line-Döderns, die schließlich einen grandiosen Backspin zurück zu den harten Chores und Cores zurücklegen, die am Ende des Stücks erst so richtig einschlagen. Das gefällt dubstebbenden Hardcore-Technotronikern genauso wie minimalhoppelnden Househasen. Epileptical-Space-Assfuck [110] ?what? #nonsense nennen gerade daher ihr Stück bevorzugt schlicht und einfach “Electro” – es verbindet über Genresubgrenzen hinweg wie richtig guter Fugenkleber von Pott®.

Zwischendurch ertönt immer wieder die sanfte Stimme von Cort Bequel, dem Ausnahmesänger, der mit den beiden schwäbischen Analphabeten alleinig für diese Single in Kooperation trat, um das Gesamtwerk schlüssig zu einer runden Sache zu säuseln. Mit Lines wie “Electro is for genius” betonen die beiden außergewöhnlich großhodrigen Baraushilfen ihre provokative Meinung, dass elektronische Musik nicht nur für geistig verlodderte, mittels vermeintlich sinniger Aussagen sich selbst verbrämende Anti-Menschen, sondern durchaus auch für den gesunden Homo Sapiens geeignet sei und kämpfen damit nicht nur gegen den gesunden Menschenverstand, sondern auch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse an. Für alle Fans von Drogen und seltsamen Geräuschen ist also auch diese Platte ein muss. Geht raus und greift sie euch!

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Ein gutes Gedicht…

ist nett zu lesen
oder gar sehr
hat mindestens zehn Buchstaben
wahrscheinlich mehr

das Wort “gar” tritt öfter auf
gar die meiste Zeit
halbgar kommt gar gar nicht vor
die Idee ist gut…->

Am tollsten ist es
fürs Gedicht
das Thema bleibt im Hintergrund
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
und man eiert
eiert eiert eiert
drum herum
um dann zu sagen: Paff, piff, puff!
oder: Salamander, Salamander, Wuff!
oder: Nichts!
oder: Goethe ist mein Held!
oder: Gewichst ist gewichst!
Hauptsache der Schlussvers sitzt.

Ein guter Plan dagegen
– jetzt mal ehrlich –
ist es groß zu schreiben
was kleingedruckt im Leben sitzt
was man so nicht sagen kann
doch aus jeder Pore schwitzt
und dieses dann zu unterstreichen
das wär doch ein Lesezeichen!

Zum Beispiel
da gibts viel
den Kaffee mit der Oma,
dann der Nebel, Herbstaroma,
noch was über geile Teens
und über viel zu enge Jeans
Erwachsenwerden, Pubertät
wie man sich stets selbst verrät
über Herzschmerz, klar was sonst
und wie du so im Wohnheim wohnst
Alles easy
one two three
fertig, endlich, Poesie!

Ein gutes Gedicht
das weiß der Dichter
beginnt mit Verve
und endet schlichter
schludrig, scheiße, Hudlig
bleibt – na toll – ner Antwort schuldig
belässt den Leser im Naiv
und endet plötzlich
ungewiss
im besten Fall kursiv

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