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Schlagwort: Bewusstsein

Als Emmanuel Macron eine Crème war

Also ich so – vor kurzem – gedankenversunken auf meinem Nagelbett lag und darüber nachdachte, in welches Erdloch ich mein erjagtes Wildschwein legen könne, um es dort langsam – so richtig slowfoodmäßig – zu garen, erschien mir Manuel Macron als eine Art virtuelle superspirituelle Gedankenmanifestation, wie das eben manchmal so im Alltag vorkommt. Er saß auf einem goldenen Thron und grinste wie ein sehr gepflegter und höflicher Schwiegersohn, was mich umgehend dazu veranlasste über einen gelungenen Scherz meinerseits nachzudenken, den ich einmal tätigte, als ich Maronenmus aß, das ich – mit ungeheurer humoristischer Hellsichtigkeit – in diesem Moment nicht als Crème de Marrons (was dem französischen Originaltitel entspricht), sondern als Crème de Macron bezeichnete und damit die feine Gesellschaft, die sich um mich versammelte (die aus mir und meiner Essecke bestand), zu einer ausgiebigen Lacherei veranlasste. Doch nicht genug! Schließlich fragte ich: „Warum ist denn Frankreich so von diesem Macron fasziniert, dass ein Nationalgericht nach ihm benannt wird bzw. warum ist denn Frankreich so von Marrons fasziniert, dass sogar der Präsident danach benannt wird? Haha. Es war wirklich – wie sagt der Durchschnittsheini? – hilarious. Es war sogar so witzig, dass ich diesen Vergleich zehn Mal hintereinander anstellen musste:

Crème de Macron, Emmanuel Marron, hihi
Crème de Macron, Emmanuel Marron, hihi
Crème de Macron, Emmanuel Marron, hihi
Crème de Macron, Emmanuel Marron, hihi
Crème de Macron, Emmanuel Marron, hihi
Crème de Macron, Emmanuel Marron, hihi
Crème de Macron, Emmanuel Marron, hihi
Crème de Macron, Emmanuel Marron, hihi
Crème de Macron, Emmanuel Marron, hihi
Crème de Macron, Emmanuel Marron, hihi

Wirklich, ein gelungener Abend oder Tag oder vielleicht war es auch nur ein Augenblick in diesem verrückten Universum an Bilderströmen, das sich „Leben“ nennt, dieser endlose Traum aus Redundanzen und unangenehmen Neuigkeiten, dieser langen, langen, langen Periode des immer wiederkehrenden Stumpfsinns, dieses medial viel zu sehr gehypte Ereignis völlig unzusammenhängender, belangloser Ereignisse, dieses Phänomen, das fast so geil rüberkommt wie Brokkoli. Werch. Obwohl nein, ich meine Kohlrabi. Werch, werch!

Jedenfalls plauderte Macron (oder Marron? hihi) von seinem Thron lässig zu mir herab und fragte mich, wie ich denn das Daftpunkmedley beim Trumpbesuch fand, worauf ich antwortete: „Ok, ganz witzig“, worauf er sich zufrieden zurücklehnte und weiter Hausdurchsuchungen nonstop, on the fly, adhocig, ohne richterlichen Beschluss nachdachte, was genau ja genau so unbedeutend ist wie die Sechstelnote im Daftpunk-Hit „Happy-Bappy“. Dann zauberte er einen französischen Vermögenden (erkennbar am Spitzbart und dem vergoldeten Barrett oder auch Béret) aus seiner Jackettasche, der sich in seinem Handballen gemütlich einmummelte und rief „vive la…n’a pas d’importance“ und „weg mit die Schdeuer!“, bis der heilige Marron schließlich hinab oder hinauf fuhr – das war nicht so wirklich ersichtlich – in ein besseres Leben, was man ja ohnehin nur als völlig überhyped bezeichnen kann. Ein Nachmittag wie jeder andere.

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Drei wahllose Gedankengänge an einem Montagnachmittag

-1-

Eigentlich könnte ein Smartphone ein tolles Werkzeug sein. Also abgesehen von dem ganzen Social-Media-Geschmodder, das ja hauptsächlich gar nicht so social ist, da man die virtuelle Spiegelfläche an „Freunden“ dafür verwendet, sich genüsslich selbst zu bestaunen, im die Seele so schön kühlenden Feedbackregen unzähliger, nach oben zeigender Daumen: Wie schön man doch ist? War man schon immer so schön? So weltgewandt? So bedeutend? Eigentlich nicht. Abgesehen davon sind soziale Medien aber bspw. nicht schlecht um Urlaubsbilder an Muttern zuschicken und im Gegenzug dafür kitschige „Ich-hab-an-dich-gedacht-Videos“ zu erhalten. Und abgesehen davon könnte – wie erwähnt – ein Smartphone ein tolles Werkzeug sein, bspw. im Ausland zur Übersetzung. Da man aber technisch noch nicht, dafür aber in Sachen Turbokapitalismus sehr wohl fortgeschritten ist, kann man das Smartphone noch nicht an seinem Kehlkopf anlegen (oder es damit verschmelzen lassen, es bpsw. in eine praktische Aussparung – die man sich bei seinem Hausarzt hat anlegen lassen – hineinzuschieben oder ähnliches, was sicherlich in hoffentlich ein, zwei Jahren möglich sein wird), während dieses dann das eigene Gebrabbel in fremdsprachliches Gebrabbel übersetzt, stattdessen darf man aber Unsummen an Roaming-Gebühren bezahlen, wenn man einfach nur wissen will, was „Ich möchte ein hartes Ei“ auf bspw. französisch heißt.

-2-

Abgesehen davon ist es mir persönlich unverständlich, wie man sich freiwillig in ein 30-Grad-Sonnenschein-Staubecken menschlicher Ausdünstungen wie bspw. ein Schwimmbad begeben möchte, um sich dort zu „entspannen“. Auch Strände mit dem Geruch von Verwesung, hervorgerufen durch vollgeschissene Badehosen (da Menschen sich stets so sehr über den Sommer freuen, dass sie zu Beginn der Hautgrillsaison genüsslich einkoten), überkochende Achselsuppen und faulig-trockenen Mundgeruch, zähle ich ebenfalls zu dieser Kategorie sommerlicher Strapazen, die ich persönlich als – man muss es sagen – ganz schlimm empfinde. Da trifft man auf das schlechteste im Menschen, äffische Fratzen im Spiegel der Sinnlosigkeit der eigenen Existenz, Schwitzen, Schwitzen, Schwitzen, unsinniges Geschrei, gelebte Einsamkeit in der vermeintlichen Gemeinschaft, eben augenscheinlich werdende Entfremdung von der eigenen Gattung und – schlimmer geht es kaum – die Lust am Volleyballspielen. Dazu natürlich noch dieser verdammte, hirnverbrennende Sonnenschein, wodurch auch ich nicht anders kann, als äffisch mein durch den ganzen Körper pulsierendes Unbehagen wegzugrinsen. Schlimm, schlimm, schlimm.

-3-

Abgesehen davon ist es immer wieder eine interessante Überlegung, gerade wenn man überromantisiert durch naturelle Erfahrungen bspw. an einer Bergschlucht sitzt oder einen Sonnenuntergang beobachtet (der viel zu lange dauert, für den viel zu kurzen ästhetischen Effekt), ob es nicht sinnvoll wäre, sich ein Haus aus zwei oder sagen wir drei Brettern zusammenzuschustern und in der Natur von Käfern zu leben, um endlich total frei zu sein, wie dieser Typ aus diesem Film mit dem schlechten Eddie-Vedder-Soundtrack. Und dann ist es aber noch eine interessantere Überlegung, den mir persönlich noch unklaren aber in diese Richtung verweisenden Gedanken Hannah Arendts zu folgen, wonach sich der Mensch durch das gelebte Engagement im Gemeinwesen erst als Mensch realisiert, er dort seine Freiheit konkretisiert, weil er natürlich – an dieser Erkenntnis kommt man nicht vorbei – ein soziales Wesen ist und damit einen grundlegenden Teil seiner gewordenen Existenz zu leben im Stande sein könnte. Ja, das ist total interessant. Aber nach wenigen Minuten in diesen Überlegungen funktioniert dann doch das „homogenisierte Alltagsbewusstsein“ und beschäftigt sich mit der nächsten überflüssigen Bedürfnisbefriedigung, was nun wirklich gar nicht mehr interessant ist, sondern eher tragisch und so verleibt dann doch wohl erst alles dort, wo es ist, bis es irgendwann zu unerträglich wird – oder wie dieses uralte Gesetz aller Dinge auch immer lautet.

2 Comments

Augenklavier: Dazwischen/Funken

Da gibt es ein Gefühl am
Schmelzpunkt, wo nur
oszillierende Umfassung ist,
im purpurnen Krakenwesen, das
gleich hinter der Stirn, sich
quer über den Frontallappen ein
gesponnen hat.

// bin das ICH?

Die tieferen Ebenen durch
wandernd, wallt und kriecht dieses,
Schlangen – gleich – durch
alles, was es gibt, alles was
es vorgibt, Welt zu sein und
dabei genauso irrt wie es
treffend beschreibt.

Ein Diaprojektor, die Verwaltung von
Bildern und solchen,
die es noch werden wollen.
Ineinander, übereinander, un- und ab- und auf-
und querverweislich, im Gesamt[pulk]
pulsierend, explizierend, verschweigend.

Ein Entstehen und
Zer
fall
en
nimmersatt, nimmerstop, nimmerleer, bis
Dinge erliegen, die dennoch in Bewegung bleiben [werden]

Und dazwischen ein Gefühl am Schmelzpunkt
// bin das ICH?

Es taut alles andere [ab]

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